Möge die Strömung mit dir sein

Mit dem Kanu auf der Spree zwischen Hangelsberg und Erkner

© Seenland Oder-Spree e.V.

Für die meisten Abenteuer muss der Berliner nicht weit fahren. Es reicht schon eine Fahrt mit dem RE1 nach Hangelsberg. Dieses Mal sollte es eine Kanutour auf der Spree von Hangelsberg nach Erkner sein. Die Länge der Strecke ist ambitioniert – aber auch für Gelegenheitspaddler zu schaffen. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt.

Die Station von Kanusport Spree liegt nur ein paar Minuten vom Bahnhof entfernt. Wenn ein Zug kommt, wird es auch in der Kanustation voll. Also ein paar Minuten Zeit einplanen. Ein freundlicher Mitarbeiter hilft uns beim Klarmachen des Bootes. Dann verstauen wir das Gepäck und dann geht es los. Vor uns liegen fast 26 Spree-Kilometer bis zum Ziel in Erkner. Treuer Helfer auf diesem Abschnitt ist die Strömung der Spree.

Nach dem erstem Kilometer dann das erste Mal treiben lassen und gleich ein Fotomotiv. Am rechten Ufer weiden ein paar zottelige Rinder. Ein Junges steht knietief im Wasser und schaut zwischen seinen Haaren auf die Boote, die an ihm vorbeiziehen.

Rinder am Ufer der Müggelspree, Kanutour von Hangelsberg nach Erkner, Seenland Oder-Spree
© Seenland Oder-Spree e.V.

Der Abschnitt der Spree zwischen Hangelsberg und Erkner ist ein Fest für Auge und Ohr. Der Fluss schlängelt sich durch die Landschaft. Dichte Schilfgürtel, unterbrochen von Seerosenteppichen und gelben Sumpfdotterblumen, säumen die Ufer.

Die Sonne spiegelt sich auf dem Wasser. Unter der Oberfläche bewegen sich die Wasserpflanzen im Rhythmus der Strömung. Mit uns zusammen sind ein paar Kanus gleichzeitig losgefahren. Aber nach ein paar Minuten sind die anderen hinter einer Kurve verschwunden und wir sind allein unterwegs. Eine große Libelle begleitet uns ein Stück, bevor sie in Richtung Ufer abdreht.

 

Kanutour auf der Müggelspree zwischen Hangelsberg und Erkner, Sommer, Seenland Oder-Spree
© Seenland Oder-Spree e.V.

Die erste Pause machen wir in Mönchwinkel. Der Platz ist beliebt. Ein paar Boote liegen schon am Strand. Die Gelegenheit wird für eine Abkühlung im Wasser genutzt. Es ist warm und das Wasser erfrischt. Die Strömung ist an dieser Stelle so stark, dass man wie in einem Strömungskanal auf der Stelle schwimmt. Hier könnten wir noch eine Weile bleiben, aber bis zum Ziel ist es noch ein ganzes Stück. Die Ufer sind hier echte Hotspots.

Kanutour auf der Müggelspree zwischen Hangelsberg und Erkner, drei Kanus am Ufer, Sandstrand, Sommer, Seenland Oder-Spree
© Seenland Oder-Spree e.V.

Zwischen zwei Bäumen hat sich ein Pärchen eine Hängematte gespannt, an einer anderen Stelle hat eine junge Frau ihr Zelt aufgestellt und kocht sich gerade einen Kaffee. 

Hinter Mönchwinkel sind wir wieder allein auf der Spree. Nur das Eintauchen der Paddel unterbricht das Naturkonzert, das wir aus der ersten Reihe verfolgen. Langsam treibt uns die Strömung die Spree flussabwärts. Immer wieder tauchen kleine malerische Buchten am Ufer auf, die wie für eine Pause gemacht sind. Einmal werden wir noch schwach. Wir ziehen das Kanu ans Ufer. Ein tolles Fleckchen: hier gibt es sogar eine kleine Bank zum Ausruhen. Dann müssen wir weiter.

 

Kanutour auf der Müggelspree, zwischen Hangelsberg und Erkner, Paddel über dem Wasser, Seenland Oder-Spree
© Seenland Oder-Spree e.V.

Inzwischen sind wir fast fünf Stunden unterwegs und der Hunger macht sich mit leichtem Grummeln bemerkbar. Jetzt haben wir nur einen Gedanken: Zur Jägerbude auf den gleichnamigen Campingplatz! Mit jedem Paddelschlag kommen wir dem heiß ersehnten Schnitzel ein Stück näher. Als wir unter der Brücke der Autobahn 10 durchfahren, sind wir da. Dank Fußballweltmeisterschaftsfinale ist es ruhiger als sonst, sagt uns Frank, als er uns die Karte bringt. Die ist allerdings nicht im A4-Format, sondern er trägt die große Tafel vom Eingang an unseren Tisch! Der Mann hat Spaß bei der Arbeit – auch bei sommerlichen Temperaturen. Früher arbeitete er als Gerüstbauer. In der Jägerbude hat er aber seine wahre Berufung gefunden. Das Schnitzel ist, wie ein Schnitzel sein muss. Bodenständig und gut. In der Kanustation wurden wir noch freundlich gewarnt, nicht in der Jägerbude zu „versacken“. Von hier ist es noch eine gute Stunde bis nach Erkner. Auf der Karte sieht die Strecke noch ganz schön weit aus. Also legen wir einen Gang zu.

Links und rechts stehen jetzt immer öfter Häuser. Die Stadt rückt näher, wie wir auch an den Flugzeugen über uns hören. Kinder und Erwachsene schwimmen in der flachen Spree. Dann lichtet sich das Ufer und der Dämeritzsee taucht auf.

Blick über den Dämeritzsee in Erkner, Sommer, Seenland Oder-Spree, TMB Fotoarchiv_Steffen Lehmann
© TMB Fotoarchiv_Steffen Lehmann

Wir haben es geschafft! Auf den letzten Metern über den See schaukeln uns die Wellen der Motorboote kräftig durch. Am Ufer steht schon das Team von KanuSportSpree und verlädt die Boote für den Rücktransport nach Erkner.

Die Arme und Schultern schmerzen als wir Richtung Bahnhof marschieren. Begeistert und geschafft bringt uns der RE1 zurück in die große Stadt. Abenteuer vollbracht!

Wichtig: Im Sommer Sonnencreme, Kopfbedeckung sowie ausreichend Wasser und Proviant nicht vergessen. Boote immer vorab reservieren! Die Rückgabestelle am Dämeritzsee liegt ein bisschen versteckt auf der anderen Seeseite. Als Orientierung helfen die Polizeiboote, die dort liegen.

KanuSportSpree, Bahnhofstraße 1, 15537 Grünheide, OT Hangelsberg, Telefon 033632-679714

 

Text: Seenlandentdecker