Bad Freienwalde - Historischer Stadtkern und Kurort mit Tradition

Beschreibung

Viele Wege führen nach Bad Freienwalde, warb bereits Theodor Fontane. Und genau wie der Freienwalder Heimatdichter Julius Dörr schwärmte der märkische Chronist Fontane von unserer Stadt und befand kurz und treffend: „Freienwalde – hübsches Wort für hübschen Ort.“

Um das Jahr 1200 entstand die Stadt als Kauf­mannssiedlung an einem wichtigen Oderübergang; im Jahre 1316 wurde sie erstmals urkundlich er­wähnt. Wie in jenen vergangenen Jahren bildet auch heute noch die Stadtkirche St. Nikolai das Zentrum Bad Freienwaldes. An der Spitze des dreieckigen Marktplatzes stehend, reicht ihre Geschichte bis in die Zeit der Stadtentstehung zurück. Dort findet sich die Gruft der Adelsfamilie von Uchtenhagen, die von 1375 bis 1618 über Freienwalde ­herrschte.

Nur wenige Meter von der Kirche entfernt steht seit 1855 das Rathaus. Wie ein Aushängeschild wirbt es für die zahlreichen historischen Bauten Bad Freienwaldes und für viele Gäste ist hier der Ausgangspunkt für einen (auf Wunsch auch geführten) Stadtrundgang.

Keine Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland hat mehr Baudenkmale aufzu­weisen als Bad Freienwalde und nicht jedes dieser Denkmäler und Gebäude gibt seine Geschichte(n) auf den ersten Blick preis: Wie zum Beispiel das einstige Jagdschloss des Großen Kurfürsten hinter der Kirche. Es ist längst nicht mehr als ein solches erkennbar und erscheint heute in frischen Farben wie ein Nebengebäude des früheren Kreishauses. Dahinter, in Richtung Niederoderbruch, der noch immer dörfliche Ortsteil Altkietz. Hier hatten ursprünglich slawische Fischer ihr Auskommen, bis die Trockenlegung des Oder­bruchs aus deren Nachfahren endgültig Bauern machte. Im Jahre 1928 wurden die bis dahin selbständigen Dörfer Altkietz und Alttornow nach Bad Freienwalde eingemeindet.

Vor dem Rathaus steht der Tröpfelbrunnen. Der Brunnen weist mit der Inschrift „Die Seele erfrischen, das Herz erlaben, im Bade kannst du beides haben“ bereits auf eine weitere Bad Freienwalder Besonderheit hin: Die Quellen mit ihrem heilkräftigem Wasser, die nicht nur um das Jahr 1684 herum dem bereits erwähnten Großen Kur­fürsten Linderung von seinen diversen Zipperlein verschafften, sondern auch das nach den Drangsa­len des 30-jährigen Krieges daniederliegende Städtchen neues Leben einhauchte: Vor den Toren Freienwaldes entstand der spätere Gesundbrunnen, durch den Bad Freienwalde zur ältesten märkischen Kurstadt wurde und zu dem man damals wie heute auf der gleichnamigen Straße gelangt.

Erst allerdings geht es vom Markt aus ein Stückchen bergauf, die Königstraße entlang. Auch hier Geschichte und Geschichten auf Schritt und Tritt: Das Eckhaus Uchtenhagenstraße, in dem 1909 der Schriftsteller und Psycho­analytiker Hans Keilson geboren wurde. Der Bad Freienwalder Ehrenbürger lebte seit seiner Emigration 1936 in Holland, wo er 2011 hochgeehrt verstarb. Eine weitere Tafel am dessen ehemaligen Wohnhaus erinnert an Karl Weise, den Theodor Fontane den „märkischen Hans Sachs“ nannte.

Fast ein wenig unpassend zwischen all den klassizistischen Fassaden in der Königstraße wirkt das Fachwerk von St. Georg: 1696 erbaut, drohte dem nicht mehr als Kirche genutzten Gebäude in der DDR der Abriss. Das beherzte und jahrelange hartnäckige Engagement der Freienwalder rettete die hübsche, kleine Georgenkirche. Seit 1986 dient das Kirchlein als Konzerthalle. Nur wenige Schritte weiter, wo die Rathenaustraße abzweigt und direkt zum Schloss führt, begegnen wir mit an dem Kunstwerk „Lichtung“ wieder dem (hier fröhlich sprudelnden) Wasser.

Ganz anderes Wasser wäre der Stadt nach der Überschwemmung 1947 genau 50 Jahre später noch einmal zum Verhängnis geworden: Das Oderhochwasser! Während 1997 der unermüdliche Einsatz tausender Helfer einen Deichbruch verhinderte (der die Stadt wohl bis an den Markt heran überflutet hätte), hat das 1947er Hochwasser bis an die alte Post gereicht, woran dort auch ein kleiner Gedenkstein erinnert.

Wer sich von der Lichtung nach links wendet, kommt zur sogenannten Judentreppe, an deren Fuß in der Fischerstraße bis zur Zerstörung in der „Kristallnacht“ 1938 das jüdische Bethaus stand, woran der Gedenkort erinnert. Die Fischerstraße gehört wie auch die Grünstraße zu den ältesten Straßen der Stadt. Ebenso die Wasserstraße, deren Name noch an das einstige Wassertor erinnert. Sie zieht sich am Freienwalder Landgraben hin, der der Entwässerung von Teilen des Oderbruchs dient. Kaum vorstellbar, dass Reisende, die vor dessen Trockenlegung über Schiffmühle in die Neumark wollten, mit einer Fähre die „Große Hechtsee“ überqueren mussten. Theodor Fontane freilich konnte seinen in Schiffmühle wohnenden Vater längst per Kutsche besuchen – schon in der Uchtenhagenzeit wurde der heutige Weidendamm gebaut. Fontane war es auch, der Freienwalde attestierte, dass es seinen Bergen alles verdanke: „Von dort aus kommen seine Quellen und von dort aus gehen die Fernsichten ins Land hinein.“

Eine jener Berge ist der Ruinenberg oberhalb der Weinbergstraße mit der wunderschönen Aussicht von der künstlichen Ruine auf die Freienwalder Altstadt und in’s Bruch.
„Der Anblick ist schön in seiner Art“, sinniert Fontane von dort oben zum Abschluss seiner Wanderung durch unserer Stadt, „und wer krank geworden im Licht und Staub und all dem Blendwerk großer Städte, der wird hier Genesung feiern und dieses Grün begrüßen, wie ein Durstiger einen Quell begrüßt.“

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