Kein „Schiff ahoi“ nach 18 Uhr

Wasserschifffahrtsamt beharrt auf verkürzten Schleusenzeiten - viele Freizeitkapitäne müssen abends die Segel streichen / Tourismusverband Seenland Oder-Spree wirft Behörde Wortbruch vor.

© Seenland Oder-Spree/Andreas Mücke

Mit den Temperaturen geht es langsam aufwärts, die Sonne lugt immer häufiger durch die Wolken. Ruderkähne und Tretboote schaukeln schon an Uferstegen der Verleiher. Einige Gäste lassen eigene Paddelboote ins Wasser. Endlich wieder über' n See schippern - im Seenland Oder-Spree, dem wasserreichsten Ausflugsrevier Deutschlands, ist das ein Vergnügen. Zumindest dann, wenn Freizeitkapitäne nicht an einigen Schleusen der Region ausgebremst würden.

Statt wie zuvor bis 22 Uhr, bleiben etwa die Schleusen in Storkow und Kummersdorf seit 2015 werktags nur bis 18 Uhr geöffnet (Freitag bis Sonntag bis 19 Uhr).

„Dies ist für die Wassertouristen, aber auch für Wirte, Hotels und Freizeiteinrichtungen, die von ihnen leben, eine enorme Beeinträchtigung“, kritisiert Ellen Rußig, Geschäftsführerin des Tourismusverband Seenland Oder-Spree. Den aktuellen Zustand an den Schleusen bezeichnet sie als unhaltbar. Zum Scharmützelsee, einem der beliebtesten und gefragtesten Gewässer Ostdeutschlands, gebe es nach 18 Uhr vielerorts keine Zufahrtsmöglichkeit mehr.

Dabei habe das zuständige Wasserschifffahrtsamt (WSA) zugesagt, die Bedingungen an den Schleusen zu verbessern. Doch lediglich die Schleuse in Neue Mühle öffne nun wenigstens bis 21 Uhr. „Genehmigt sind zwei neue Personalstellen. Gleichzeitig teilt man im WSA nun mit, dass anderswo zwei Mitarbeiter ausfallen: Zwei kommen, zwei gehen – geändert hat sich letztlich wenig“, moniert Ellen Rußig.

Mit einer Karikatur und Postkartenaktion will der Tourismusverband jetzt abermals Aufmerksamkeit erzielen und beim übergeordneten und zuständigen Bundesverkehrsministerium gegen die aktuellen Regelungen protestieren. Mancher Urlauber vermutet gar Kalkül hinter den extrem kurzen Schleusen-Öffnungszeiten. „Ein aus Bayern stammender Bundesverkehrsminister (Alexander Dobrindt / CSU) und der aufstrebende Brandenburger Tourismus - da könnte man sich ja so seinen Reim machen“, mutmaßte kürzlich ein Gast aus Sachsen.

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