Eisenhüttenstadt - vom Sozialismus zur Filmkunst

Bereits 1963 wurde der DDR-Filmklassiker "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen" in der Planstadt gedreht. Es folgten weitere Klassiker wie "Das schweigende Klassenzimmer" im Jahr 2017 sowie "Und der Zukunft zugewandt" im Jahr 2019, welcher sogar im Friedrich-Wolf-Theater, in dem er teilweise gedreht wurde, Premiere feierte. In den beiden letzten Filmen hat Eisenhüttenstadt als "Stalinstadt", wie sie zwischen 1953 und 1961 genannt wurde, auch inhaltlich eine tragende Rolle.

Die Stadt an der Oder entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Filmkulisse des Seenland Oder-Spree. Der architektonische Stil der Wohnkomplexe I-III im sozialistischen Klassizismus machte Eisenhüttenstadt gleich in zwei Filmen zum DDR-Schauplatz der fünfziger Jahre. Manche Filmdrehorte in Eisenhüttenstadt sind leicht auffindbar, bei anderen ist es etwas schwieriger. Für „Und der Zukunft zugewandt“ wurden viele Aufnahmen innerhalb von Gebäuden gedreht, die nicht so leicht zugänglich sind wie die Straßenszenen im „Schweigenden Klassenzimmer.“ 

"Das Schweigende Klassenzimmer"

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte der Abiturklasse, die 1956 während des Unterrichts eine Schweigeminute für die Opfer des Volksaufstandes in Ungarn einlegte. Schnell schlägt dieser Akt der Solidarität für Schüler, Lehrer und Eltern hohe politische Wellen. Jedoch spielt die Geschichte des Films nicht in Storkow, sondern im damaligen Stalinstadt anders als im gleichnamigen Sachbuch von Dietrich Garstka. Für das „Schweigende Klassenzimmer“ diente Eisenhüttenstadt im Frühjahr 2017 vor allem als Kulisse für die Außenaufnahmen des Films.

Die Schule im Film
Der Vorplatz des ehemaligen Krippengebäudes, in dem sich heute das „Dokumentationszentrum für die DDR Alltagskultur“ befindet, wurden die Szenen des Schulalltags aufgenommen. 

Dokumentationszentrum Alltagskunst der DDR, Museum, Weltkugel, Kultur, Eisenhüttenstadt, Seenland Oder-Spree, Foto Florian Läufer
© Seenland Oder-Spree / Florian Läufer

Das Stadion Fürstenberg
Das Stadion Fürstenberg, das nur wenige hundert Meter von der Oder gelegen ist, diente als Fußballplatz.
Straßenszenen
Außenszenen für das „Schweigende Klassenzimmer“ wurden unter anderem in der Saarlouiser Straße und Erich-Weinert-Allee gedreht.
Der Hochofen im EKO
Es wurde direkt am historischen Hochofen des einstigen Eisenhüttenkombinat Ost (kurz EKO) gedreht. Der Hochofen wurde wenig später stillgelegt.

„Und der Zukunft zugewandt“

Die fiktive Story handelt von der Hauptdarstellerin, gespielt von Alexandra Maria Lara, die mit ihrer kranken Tochter 1952 in Stalinstadt eintrifft. Freigekauft aus einem sowjetischen Gulag soll sie sich in ihr neues Leben fügen und dabei ihre Vergangenheit im Straflager stillschweigend vergessen. Die Drehorte des Films „Und der Zukunft zugewandt“ der im Frühling 2018 gedreht wurde, befinden sich in den folgenden Gebäuden:

Das Rathaus
Mehrere Szenen spielten sich im Treppenhaus und vor dem großen Wandbild im ersten Stock des Eisenhüttenstädter Rathauses ab. Diesen Filmschauplatz im öffentlichen Bereich des Rathauses kann man zu den regulären Öffnungszeiten besuchen.

Rathaus Eisenhüttenstadt
© Florian Läufer

Krankenhaus und alte Isolierstation
Alle Szenen rund um das Krankenhaus wurden originalgetreu im Gebäude und auf dem Außengelände des Eisenhüttenstädter Krankenhauses gefilmt. Die Gefängnisszenen wurden in der alten Isolierstation gedreht.

Friedrich-Wolf-Theater
Alle Szenen im Theater wurden auch dort gedreht. Besuchen kann man das Friedrich-Wolf-Theater ganz regulär mit einer Eintrittskarte zu einer der vielen angebotenen Veranstaltungen.

Friedrich-Wolf-Theater Eisenhüttenstadt
© Florian Läufer

Pawlowallee
In der Pawlowallee wurden die Szenen gedreht, in denen die Hauptdarsteller das Wohnhaus betreten und verlassen. Die Aufnahmen in der Wohnung selbst entstanden dagegen in Berlin.