Das Leben im Wandel

Viele berühmte Köpfe aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Architektur prägten in den vergangenen Jahrhunderten das Antlitz des Seenland Oder-Spree. Architektonische Meisterwerke von Schinkel bis weltberühmte Kunstwerke von Fontane sind eng mit der Region verbunden.

24. März 2020

© Gemeinde Grünheide/Diana Bergmann

Doch auch in der jüngeren Historie hinterließen hier lebende Intellektuelle wichtige Spuren in der Gesellschaft. In diesem Beitrag möchten wir einen von ihnen würdigen, der großen Einfluss auf die deutsche Einheit hatte...

Grünheide, Burgwallstraße 4

An einem unscheinbaren Haus in der Grünheider Burgwallstraße 4 erinnert heute ein unauffälliges Schild an den Mann, der in der DDR Geschichte zu einer Symbolfigur der Opposition wurde und von 1976 bis zu seinem Tod im Jahre 1982 unter Hausarrest leben musste.

Havemann Grab
© TI Grünheide

Robert Havemann (1910 –1982) war früher ein überzeugter Kommunist und Verfechter der jungen DDR.

Als ehemaliger Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten kämpfte er unter anderem in der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ gegen das Naziregime und wollte nach Kriegsende ein sozialistisches Land im Osten Deutschlands mit aufbauen. So arbeitete er als treuer Funktionär und Naturwissenschaftler, bis er von den Verbrechen des Stalinismus in der damaligen Sowjetunion erfuhr.

Ab diesem Zeitpunkt setzte er sich kritisch mit dem DDR-Staat und der SED auseinander, aus der er 1964 ausgeschlossen wurde. Er verlor
seine Professur an der Humboldt Universität Berlin und durfte nicht mehr arbeiten. Immerhin wagte es der Staat nicht ihn aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung zu inhaftieren, sondern arrestierte ihn 1976 in seinem Haus, nachdem er zusammen mit anderen Künstlern und Intellektuellen gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert hatte. Sämtliche Kontakte zu Mitstreitern, anderen Oppositionellen und Besuchern in seinem Hause wurden von der Staatssicherheit minutiös überwacht.

Sein ganzes Leben stritt Robert Havemann für Freiheit und Menschenrechte sowie die Legalisierung einer kritischen Opposition im Land, um
Missstände zu bekämpfen. Auch die deutsche Teilung thematisierte er dabei. 1982 verstarb Havemann. 1999 wurde Professor Dr. Robert Havemann posthum die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Grünheide (Mark) verliehen.

Kirche zum Guten Hirten Grünheide
© Florian Läufer

Das „Neue Forum“ in Grünheide

Seine Ehefrau Katja Havemann setzte sich ebenso wie ihr Mann für die oppositionellen Kräfte in der DDR ein. So erarbeitete sie am 9. September 1989 im Haus der Havemanns zusammen mit 30 Bürgerrechtlern den Gründungsaufruf des NEUEN FORUM, das erstmalig in der Geschichte der DDR eine politische Plattform außerhalb der Kirche bildete. Die Bürgerrechtler riefen alle Bürger dazu auf, sich an der Diskussion und Bearbeitung lebenswichtiger Gesellschaftsprobleme zu beteiligen. Die Gründung des NEUEN FORUMs läutete die friedliche Revolution in der DDR mit ein, an deren Ende 1990 die Überwindung der deutschen Teilung stand.

Informationen zu Ausflügen in und um Grünheide:

Tourist-Information

Tourist-Information

Gemeinde Grünheide (Mark)

Am Marktplatz 3
15537 Grünheide (Mark)
Tel.: 03362 585584
www.tourismus-gruenheide.de