Geschichten aus dem Oderbruch

In einem beschaulichen Dorf in Golzow im Oderbruch wurde einst DDR-Geschichte geschrieben und auch die Geschichte des Schweizerhauses Iiest wird Sie zum staunen bringen. Schauen Sie gerne mal vorbei und lassen Sie in eine andere Zeit versetzen.

04. Mai 2021
  • © Seenland Oder-Spree

  • © Matthias Lubisch

  • © Simone Grieger

  • © TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

  • © TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Die Geschichte einer Generation

Der Dokumentarfilmregisseur Winfried Junge startete im Jahr 1961 ein bis dato weltweit einzigartiges Langzeitfilmprojekt, um die Entwicklung einer ganzen Generation auf dem Lande zu porträtieren. Daraus entstand die bislang nicht getoppte Langzeitdokumentation „Die Kinder von Golzow“.

Als im September 1961 kurz nach dem Mauerbau die Mädchen und Jungen der 1. Klasse in Golzow eingeschult wurden, stand Winfried Junge neben der Kamera, um die kleinen ABC-Schützen auf ihrem Weg ins Leben zu begleiten. Daraus wurde ein eindrucksvolles Zeitzeugnis persönlicher Biografien der Golzower ProtagonistInnen. Sie erlebten ganz unterschiedliche private und berufliche Entwicklungen. Vom Genossenschaftsbauern, über die Chemielaborantin bis zum Bauarbeiter werden typische DDR-Lebensläufe, politische Ansichten und persönliche Schicksale im Bild eingefangen. Der Regisseur und seine Frau Barbara, ab 1978 ebenfalls an der Produktion maßgebend beteiligt, waren mit den Hauptfiguren und ihren Familien bis weit nach der Wende eng verbunden und zeigten die individuellen Auswirkungen der deutschen Einheit auf ihr persönliches Leben.

Das Museum zum Film

In 42 Stunden und 19 Teilen können die ZuschauerInnen viel über die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR anhand der persönlichen Sichten der Hauptfiguren erfahren und ihr eigenes Urteil über das typische Leben im Osten bilden. Golzow hat dieser Rekordleistung der Filmgeschichte ein ganzes Museum mitten im Ort gewidmet, denn bis heute gibt es weltweit keine vergleichbare filmische Arbeit. Gerade BesucherInnen des Museums mit einer vergleichbaren Historie in der ehemaligen DDR werden an eigene Erfahrungen und Erlebnisse erinnert. Das Museum zeigt neben der gesamten Filmreihe viele authentische Utensilien, Fotomaterial und technisches Equipment, das während der Dreharbeiten eingesetzt wurde. Interviews mit dem Filmstab und Junges erlauben einen Blick hinter die Kulissen des Drehs. Der Museumsbesuch ist auch eine willkommene Pausengestaltung bei einer ausgedehnten Radtour durch das Oderbruch, um neben der idyllischen Landschaft die Lebensweise in der Region vor der deutschen Einheit in lebendigen Bildern kennenzulernen.

Filmmuseum "Kinder von Golzow"

Filmmuseum "Kinder von Golzow"

c/o Gemeindezentrum Golzow
Hauptstraße 16
15328 Golzow - Ort der "Kinder von Golzow"

Tel.: 033472 51882
www.kinder-von-golzow.com

Filmmuseum Kinder von Golzow, Kunst, Kultur, Foto TMB-Fotoarchiv, Steffen Lehmann (9)
© TMB- Fotarchiv/ Steffen Lehmann

Ein Kleinod am Rande des Oderbruchs

Die Geschichte des Schweizerhauses liest sich wie eine „tour de force“ durch das 20. Jahrhundert. Vom Ausflugslokal zum landwirtschaftlichen
Mustergut, über den Treffpunkt der Künstlerelite der Weimarer Republik bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es von der Roten Armee zum Versorgungslager umfunktioniert. Während der DDR-Zeit befand es sich im Volkseigentum. Bis zur Abwicklung nach der Wende durch die Treuhand reicht das wechselvolle Dasein des Schweizerhauses in Seelow. Nach der Rückübertragung des Objektes an die Erben fiel es in einen Dornröschenschlaf, bis es vor gut zehn Jahren im Osten der Stadt von einigen Enthusiasten wieder zum Leben erweckt wurde. Sie gründeten den „Heimatverein Schweizerhaus Seelow e. V.“ mit dem Ziel, den schicksalsträchtigen Ort wiederzubeleben und seiner langen Geschichte ein weiteres positives Kapitel hinzuzufügen. Nach 20 Jahren Dornröschenschlaf holten die Vereinsmitglieder das einstige Mustergut aus der Umarmung der Natur.

Seitdem können Besucher bei Veranstaltungen, Führungen und während des legendären Sammeltassencafés live miterleben, wie das einstige Landgut Stück um Stück eine neue Blütezeit erlebt. Spätestens seit der Sanierung des Haupthauses ist ein neues kulturelles Kleinod entstanden. Ein Arkadien am Rande des Oderbruchs, das wieder wachsende Besucherströme anzieht. Wie damals zu Hugo Simons Zeiten auch.

Schweizerhaus Seelow

Schweizerhaus Seelow

Am Schweizerhaus 1-5
15306 Seelow
Telefon 03346-4291910
Fax 03346-4291912

info@heimatverein-seelow.de

Schweizerhaus Seelow außen
© Matthias Lubisch

- Insidertipp -
Übernachten in der gräflichen Villa Reitwein

Reitwein, die „Perle des Oderbruchs“, hat seinen Gästen Einiges zu bieten. Abgesehen von der Lage der Villa am Fuße des Reitweiner Sporns, wie der Höhenzug im Süden des Oderbruchs heißt, ist auch der Besuch der Priesterschlucht sehr zu empfehlen. Gerade in der Adonisröschenblütezeit im Mai zeigt sich die Landschaft in der prallen gelben Farbenpracht von ihrer schönsten Seite. Sie werden sich wie der Teil eines impressionistischen Gemäldes fühlen, wenn Sie in der imposanten Farbenwelt stehen. In fußläufiger Nähe gleich hinter der Villa steht die Stüler-Kirche, deren Silhouette weithin sichtbar ist. Im Ortskern des wunderschönen Dorfs befindet sich die Galerie TRAFO 3, in der wechselnde Ausstellungen verschiedener Künstler präsentiert werden.

Pension Gräfliche Villa Reitwein
© Familie von Wittich

Im bewaldeten Reitweiner Sporn gibt es außerdem die Wallberge zu entdecken, ein Ort, an dem sich vor mehr als 1000 Jahren eine Slawenburg befand. Reitwein spielte in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs eine besondere Rolle, als hier kurz vor der Einnahme Berlins eine verlustreiche Schlacht zwischen der deutschen und der Roten Armee stattfand. De r Gefechtsstand des legendären sowjetischen Befehlshaber Marschall Shukow kann besucht werden und garantiert eine bewegende Begegnung mit dem einstigen Schlachtfeld.

Die Gastgeber der Villa Reitwein freuen sich auf Ihren Besuch!

Gräfliche Villa

Gräfliche Villa

Hathenower Weg 6
15328 Reitwein

Tel.: 033601 540
pension@graefliche-villa.de
www.graefliche-villa.de