Auf den Spuren der Neuzeller Mönche
Deine Zeitreise per Rad vom Barockwunder, zur wilden Oder, durch das mystische Schlaubetal.
Mönchstour
Deine Radtour auf den Spuren der Neuzeller Mönche
Auf den Spuren der Neuzeller Mönche
Deine Zeitreise per Rad vom Barockwunder, zur wilden Oder, durch das mystische Schlaubetal.
Am prachtvollen Kloster Neuzelle, dem „Barockwunder Brandenburgs“, beginnt eine Radreise, die deinen Körper und Geist gleichermaßen bewegt. Die rund 120 Kilometer lange Mönchstour entführt dich tief in das historische Wirkungsgebiet der Zisterzienser. Du radelst durch eine Landschaft voller Kontraste, durch stille Wälder, weite Auen, entlang der kraftvollen Oder und hinein in das verwunschene Schlaubetal.
Überall ist der Geist der Mönche zu spüren, die diese Region über Jahrhunderte mit Glaube, Fleiß und Wissen prägten. Doch es war nicht immer nur friedlich: Spannende Geschichten erzählen von Zerstörung, Neubeginn, Konflikten und Innovationsgeist. Eine Tour, die dich entschleunigt und erleben lässt, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Seenland Oder-Spree verschmelzen.
Das erwartet dich auf der Mönchstour
Barocke Pracht & Spirituelles Erbe Starte am imposanten Kloster Neuzelle und erlebe, wie die Mönche heute wieder das klösterliche Leben in der Region prägen.
Wilde Natur & Stille Täler Genieße die Weite der Oderniederung und tauche ein in die Ruhe des Schlaubetals, wo Natur und Geschichte eng verwoben sind.
Geschichten voller Überraschungen Erfahre, warum Mönche manchmal handgreiflich wurden, wie sie Biber zu „Fischen“ erklärten und warum ein Müller hohe Zinsen zahlen musste.
Durch die Tour führt dich Abt Martinus Graff . Er leitete das Kloster Neuzelle von 1727 bis 1741 und prägte in dieser Zeit maßgeblich den barocken Ausbau. Vor Ort trifft er – quer durch die Zeiten – auf historische wie auch heutige Persönlichkeiten und bringt in einem unterhaltsamen Gespräch so manche überraschende Geschichte ans Licht.
Genuss & Handwerk Vom berühmten „Schwarzen Abt“ bis zum Klostergarten – entdecke, was „Ora et labora“ (Bete und arbeite) für den Gaumen bedeutet. Und kehre an schönen Pausenorten und Gaststätten ein.
Individuelle Tagesetappen: ob in zwei oder drei Etappen - die Tour mit wenigen Höhenmetern ist ohne große Anstrengung zu fahren und lässt sich ideal mit schönen und individuellen Übernachtungsmöglichkeiten kombinieren und so an Deine individuellen Vorlieben und dein Tempo anpassen. Wir empfehlen den Start der Tour in Neuzelle am Kloster mit Fahrtrichtung nach Süden über einige Klosterdörfer und dann weiter gegen den Uhrzeiger zu Neiße und Oder und.
16 inspirierende Erlebnisorte die wir dir hier kurz vorstellen. Freu dich auf eine abwechslungsreiche Radrundtour mit spannenden Geschichten, unerwarteten Hintergründen und Orte zum Innehalten
Erlebe die Mönchstour als komplette Tour oder in 2 Etappen.
1 Kloster Neuzelle Ein Barockwunder aus Kalkül? Entdecke, warum die Mönche ihr Kloster so prachtvoll gestalteten und warum sie seit 2018 wieder zurück sind.
2 Klostergarten Hier duften Heilkräuter und wachsen Ideen. Spaziere durch den Barockgarten und finde heraus, warum eine Linde hier verkehrt herum wächst.
3 Schwerzkoer Mühle Mahlen, was das Zeug hält: Mühlen waren die Motoren des Klosters. Doch wenn das Wasser der Dorche fehlte, mussten die Mönche erfinderisch werden.
4 Wellmitz Wenn es ums Bier ging, verstanden die Mönche keinen Spaß. Erfahre alles über den legendären „Biermeilenstreit“ und handfeste Auseinandersetzungen mit Guben.
5 Coschen Aus Trümmern neues Leben schaffen: Wie die Neuzeller Mönche nach dem Dreißigjährigen Krieg mit „Vorwerken“ das Land neu ordneten und wieder fruchtbar machten.
6 Ratzdorf Ordnung mit harter Hand: Wie das Kloster ab 1661 mit strengen Regeln tief in den Dorfalltag eingriff – und warum selbst Wirtshausbesuch und Kinderarbeit genau geregelt waren.
7 Fürstenberg Ein Kampf gegen die Fluten: Über 20 Jahre schufteten Bürger und Bauern für den Deichbau. Genieße heute den traumhaften Blick, den ihre Arbeit ermöglichte.
8 Aurith Süß, aber schmerzhaft verdient: Erfahre, wie Waldimker schon im Mittelalter in den Wäldern um Aurith Honig und Wachs gewannen – und wo diese alte Handwerkskunst heute noch lebendig ist.
9 Aurither SchlossAuch Mönche brauchten Urlaub. An diesem Ort der Stille suchten sie Erholung. Heute lädt der verträumte Ort an der Oder zum Innehalten und Weitblick ein.
10 Brieskow Finkenheerd Renitente Bauern und genervte Mönche: Weil der Streit hier kein Ende nahm, verkauften die Zisterzienser das Dorf kurzerhand an die Konkurrenz
11 Groß LindowVerbrannte Erde statt Steuern: Als die Mönche ihre Wälder zu Geld machen wollten, fackelten die wütenden Bauern sie einfach ab. Eine heiße Geschichte!
12 Rautenkranz Ein Gasthof an der Grenze: Warum ein Dorfkrug mit Braurecht zum Treffpunkt von Händlern und Pilgern wurde – und bis heute von Austausch und Gastfreundschaft erzählt.
13 Kaisermühl Grenzen am Wasser: Jahrzehntelange Streitigkeiten um die Schlaube, verlorene Zölle am Kanal – und warum Kontrolle über Wasser Macht bedeutete.
14 Siehdichum Ein Name voller Bedeutung: Ein Rückzugsort im Wald mit weitem Blick, geschaffen zur Einkehr – und bis heute eine Einladung, innezuhalten.
15 Wirchensee Fasten mit Auslegungsspielraum: Wie Fischzucht das klösterliche Leben prägte – und warum sogar Biber und Otter zeitweise als „Fische“ galten.
16 Treppeln Wenn Bauern und Kloster aufeinandertreffen: Der Konflikt um Georg Wollenberg erschütterte im 18. Jahrhundert das Stiftsland – und wirkt bis heute nach.
Erfahre alles über die spannende Geschichte.
1. Kloster Neuzelle: Das Barockwunder
Ein Highlight gleich zu Beginn der Tour
Das Kloster Neuzelle wird infolge seiner opulenten Ausstattung zu Recht als „Barockwunder Brandenburgs“ bezeichnet.
Doch hinter dem Wunder stand einst Kalkül.
Um sich nach der Reformation inmitten eines evangelischen Umfelds zu behaupten, unternahmen die katholischen Mönche nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs eine gewaltige Kraftanstrengung und schufen mit Stuck, Fresken und Statuen ein einzigartiges Barockensemble, das bis heute begeistert. Die prachtvolle Gestaltung der Klosteranlage war ein bewusstes Bekenntnis des Glaubens und Ausdruck des Willens, als katholische Gemeinschaft zu überleben. Im Jahre 1817 war dann infolge der Säkularisierung erstmal Schluss - das Kloster wurde aufgelöst. Doch nur vorerst.
Jüngst geschah wieder ein Wunder!
Die Mönche sind wieder da -die Verbindung aus Glauben, Kunst und Spiritualität lebt fort!
Bevor du startest, stell dein Rad ab und erkunde die einzigartige Klosteranlage –insbesondere auch das „Himmlische Theater“ mit seinen barocken Bühnenbildern. Halte die Augen offen – mit etwas Glück entdeckst du die Mönche, wenn sie in ihren weißen Habiten über den Stiftshof zum gemeinsamen Gebet gehen.
Ein Ort zum Verweilen.
2. Klostergarten
Wo Heilkräuter duften und Ideen wachsen
Zwischen 1750 und 1770 ließen die Mönche den barocken Klostergarten anlegen – nach „französischem Geschmacke“ - als Ort der Erholung, der Küche und der klösterlichen Experimente. Bis heute liefert er Kräuter und Heilpflanzen für Küche und Medizin. Und:
Hier wurde geforscht und experimentiert.
Beispielsweise mit Kreuzungen von Baumarten. Zwei Bäume vor dem Kloster, die zweierlei Laub tragen und die sagenumwobene Linde, die als Zeichen der Unschuld eines einer Liebschaft verdächtigen Mönchs verkehrt herum wuchs, erzählen heute noch von diesem lebendigen Erbe. Über allem steht jedoch:
Der Klostergarten lädt bis heute zur Ruhe und Inspiration ein.
Nimm Dir Zeit, genieße den Blick zur Oder, entdecke die Linde zwischen kunstvollen Hecken, die Nelken, bei deren Zucht die Mönche einst im Wettstreit lagen oder entspanne dich in der Orangerie, die heute ein feines Café ist.
3. Schwerzkoer Mühle
Die Mönche ließen mahlen, was hartes Brot war!
Die Tour führt Dich durch das Dorchetal mit seinen alten Wäldern, Feuchtwiesen und kleinen Schluchten zur Schwerzkoer Mühle. Mühlen waren Grundpfeiler und Symbol klösterlicher Handwerkskunst – importiert aus Italien. Bereits im Mittelalter betrieben die Neuzeller Mönche entlang der Dorche mehrere Wassermühlen – darunter die Schwerzkoer Mühle, eine der ältesten im Stiftsland.
Heute noch ist sie vollkommen erhalten und zu besichtigen.
Einst wurde hier Korn gemahlen, Getreide gestampft und mit der Kraft des Wassers gearbeitet. Dafür mussten die Müller einen hohen Pachtzins an das Kloster abführen. Doch es kam noch härter: Die Dorche führte oft zu wenig Wasser, so dass die Mühlen nur einige Stunden am Tag betrieben werden konnten.
Die Mönche waren erfinderisch!
Sie leiteten den Bach um und stauten zwei Mühlteiche auf. Deren Ufer laden heute zu einem Spaziergang mit herrlichem Blick auf die Mühle ein, im Regionalladen gibt es neben Durstlöschern leckeres, ofenfrisches Mühlenbrot.
4. Wellmitz
Die Mönche konnten auch handgreiflich werden
Durch kühlen Wald geht es leicht bergauf nach Wellmitz, einem einst bedeutenden Klosterbesitz, wo es einst bierernst zuging. Bier war für die Neuzeller Mönche weit mehr als ein Getränk – es war Lebensgrundlage, und da verstanden sie keinen Spaß. Im 16. Jahrhundert kam es zum legendären „Biermeilenstreit“ zwischen dem Kloster und der nahen Stadt Guben. Diese beanspruchte das alleinige Brau- und Ausschankrecht im Umkreis einer Meile.
Allerdings setzte die Kontrahenten zweierlei Maß an.
Und so konnte keine Einigkeit über den Umfang eine „Meile“ erzielt werden. Guben war hier großzügiger und wollte sein Ausschankrecht auf die klösterlichen Dörfer ausdehnen. Das Kloster steckte nicht zurück, so dass der Streit um nicht bezahltes Bier in Wellmitz eskalierte. Die Mönche verjagten den Geldeintreiber aus Guben mit „Mordgewehren und türkischen Säbeln“. Die Geschichte fand schließlich ein friedliches Ende – gekrönt von der Schlichtung in einem neuen Streit.
Diese Mal ging es um den berühmten Neuzeller Schwarzen Abt!
Dieser darf heute wieder als Bier verkauft werden – u.a. in der Klosterbrauerei in Neuzelle und in den Gaststätten entlang der Tour. Empfehlenswert!
5. Coschen
Vorwerke – wie die Mönche das Land neu aufbauten
Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs lag das Klosterland am Boden. Die Neuzeller Mönche begannen mit dem Wiederaufbau, und dies systematisch. Sie setzten dabei auf Vorwerke, ausgelagerte klösterliche Wirtschaftshöfe.
Coschen war ein bedeutendes Vorwerk und Ausgangspunkt der Aktivitäten.
Von hier aus entwickelten die Mönche mit den Überlebenden des Kriegs das zerstörte Land Schritt für Schritt. Neue Äcker wurden erschlossen und verlassene Siedlungen wiederbelebt.
Der Wiederaufbau war hart, entbehrungsreich und verlangte enormes Organisationstalent.
Die Mönche nutzten ihre Kontakte und überführten Rinder- und Schafherden aus anderen Regionen. Der Einsatz lohnte sich und prägt die Siedlungsstruktur und damit den Kulturraum der Region bis heute. Aus dem Vorwerk von einst ist die lebendige Gemeinde Coschen geworden. Direkt an der Neiße gelegen lädt heute die Europabrücke zum Blick auf den Grenzfluss zu Polen ein.
6. Ratzdorf
Das Kloster griff in Dorfangelegenheiten und persönliche Belange ein
Nach dem Dreißigjährigen Krieg und seinen Umwälzungen drohte den Mönchen der Verlust des Zugriffs auf ihre Untertanen. Um die Ordnung wieder herzustellen, erließ das Kloster 1661 die „Dingetagsordnung“.
Ein Regelwerk, das tief in das Leben der Dorfbewohner hier in Ratzdorf eingriff.
Bauern mussten unbezahlte Frondienste leisten, Kinder wurden zur Arbeit gezwungen und, am schlimmsten, Feste und Tanzveranstaltungen eingeschränkt. Selbst in Wirtshäusern wie die heute noch existierende „Kajüte“ galt:
Beschränkter Zutritt und Feiern nur bis zum Einbruch der Dunkelheit – auch Anschreiben nur noch beschränkt!
Strenge Regeln, die für Unmut sorgten, aber letztlich halfen, das Kloster und seine Dörfer zu stabilisieren – mit harter Hand, aber nachhaltiger Wirkung. Steig hier vom Rad und lasse den Blick vom Deich schweifen über den idyllisch am Wasser gelegenen Ort bis hinüber zur Oder-Neiße-Mündung.
7. Fürstenberg
Die Mönche sorgten für Entwicklung: Deichbau an der Oder
Weiter geht es entlang der Oder. Es öffnet sich eine weite Auenlandschaft, zu der seit jeher Hochwasser gehört. Gerade im Mittelalter zerstörten immer wieder verheerende Fluten Felder und Dörfer, ein Leben in der Region war kaum möglich.
Die Mönche ergriffen die Initiative.
Ihrem Grundsatz ora et labora folgend, erklärten sie den Dammbau zur großen Aufgabe. Bürger und Bauern wurden verpflichtet, Abschnitte der Deiche zu errichten, um Felder und Dörfer zu schützen. Ausgangspunkt dieser gewaltigen Leistung war Fürstenberg, der heutige Stadtteil von Eisenhüttenstadt.
Über 20 Jahre musste geschuftet werden!
Im Jahre 1701 war das gewaltige Werk vollendet. Die sumpfigen Niederungen waren in fruchtbares Land verwandelt und gaben der Flusslandschaft ihre heutige Gestalt. So eröffnen sich heute während der Radtour vom immer noch existierenden Deich traumhafte Blicke auf die Oder und ihre Auenlandschaften.
8. Aurith
Das vermeintlich süße Leben hat Stacheln: Waldbienenzucht
Im Klosterland Neuzelle gehörte die Zeidlerei – die Waldbienenzucht – zu den ältesten Handwerken. Schon im 13. Jahrhundert pflegten Zeidler in den Wäldern rund um Aurith ihre Bienenvölker– und waren bei den Mönchen hoch angesehen.
Honig als einzige Süßungsmittel war ein kostbares Gut!
Und das Wachs für die Kerzen im Kloster unentbehrlich. Doch auch die Zeidler waren den Mönchen untertan - für ihre Arbeit entrichteten sie „Honigzins“ und „Wachssteuer“. Die Arbeit war zudem schmerzhaft: In hochgelegenen Baumhöhlen gewannen sie den Honig– süß, aber hart verdient: Die Wildbienen waren stechwütig!
Die Tradition lebt fort!
Noch heute kann man in der Honigstube Linder in Aurith die Kunst des Imkerns und den echten Geschmack der Region erleben. Der Besuch lohnt sich. Auch der kurze Abstecher mit der Personenfähre ans andere Oderufer. Vom dortigen Aussichtsturm hast du einen herrlichen Blick über die gesamte Oderlandschaft.
9. Aurither Schloss (einst)
Erholung an der Oder
Schon im 15. Jahrhundert suchten die Neuzeller Mönche Orte der Stille und Einkehr. Aurith ist der perfekte Ort dafür. Hier richteten sie ein Schloss als Erholungsort und Rückzugsstätte ein, die Mönche fanden hier Kraft und Gemeinschaft abseits des klösterlichen Alltags. Nach der Säkularisierung 1815 wurde das Anwesen zur Staatsdomäne, im Zweiten Weltkrieg brannte es nieder und wurde nach Kriegsende abgetragen.
Die mystische Kraft der Oder lebt!
Dieser besondere Ort der Ruhe lädt nach wie vor ein, bei weitem Blick über die Oder innezuhalten!
10. Brieskow-Finkenheerd
Es ging nicht immer friedlich zu: die aufständischen Brieskower Bauern
Die Route folgt bei Brieskow dem Friedrich-Wilhelm-Kanal, der einst Spree und Oder verband und heute mit verwunschenem Charme bezaubert. Im Klosterland kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Geistlichen und Bauern – vor allem in Brieskow, ein Dorf slawischen Ursprungs.
Die Neuzeller Mönche waren der Streitereien überdrüssig.
Auch brauchten sie Geld. Sie verkauften daher das Dorf im 15. Jahrhundert an den benachbarten Mönchsorden in Frankfurt, die Kartäuser. Doch auch diese bekamen ihre Probleme mit den renitenten Brieskower Bauern. Diese weigerten sich, die Mönche beim Transport ihres Weins zu unterstützen.
Schlimmer noch: Sie vertrieben sie gewaltsam.
Erst durch Vermittlung benachbarter Orte kam es zur Versöhnung – die Bauern gelobten „ewigen Gehorsam“. Doch der Friede war brüchig: Bis zur Auflösung des Mönchsordens blieb das Verhältnis zwischen Kloster und Bauern angespannt und es kam immer wieder zu Handgreiflichkeiten. Wenn Du heute die Stille am alten Oderarm in Brieskow genießt, wirst du dich fragen: wie können hier Streitereien möglich sein?
11. Groß Lindow
Waldbrände: Die Bauern fackelten nicht lange!
Im 15. Jahrhundert gehörte das waldreiche Groß Lindow zum Besitz des Klosters Neuzelle, später übernahmen auch hier die Frankfurter Kartäuser das Dorf. Als die Reformation Einzug hielt und das Kartäuserkloster seine Besitzungen zu verlieren drohte, spitzte sich die Lage zu.
Auch die Mönche konnten tricksen!
Sie verkauften in aller Heimlichkeit klösterlichen Besitz und schafften die Einnahmen außer Landes. Um ihre Waldflächen zu versilbern, trieben sie zudem rücksichtslos Abgaben bei den Bauern ein, die sie bewirtschafteten.
Aber die Bauern wehrten sich!
Ab den 1520er-Jahren steckten sie die Wälder regelmäßig in Brand. Ein Ende fand dies alles erst, als der Kurfürst einschritt, Soldaten schickte und die verbliebenen Klosterbrüder vertrieb. Ruhe kehrte ein, die heute noch zu genießen ist, bspw. im Café Holzappel.
12. Rautenkranz
Ein Gasthof belebt die Grenze
An der alten Handelsstraße nach Frankfurt errichteten die Neuzeller Mönche im 18. Jahrhundert einen Dorfkrug – direkt an der Grenze zwischen Sachsen und Preußen. Ausgestattet mit eigenem Braurecht entstand hier ein lebendiger Treffpunkt für Reisende, Händler und Pilger:
Der „Grüne Rautenkranz“, ein Symbol für Austausch und Gastfreundschaft an der Grenze.
Auch als der Handelsweg verlegt wurde, blieb der Gasthof lange Jahre ein beliebter Treffunkt. Das Gebäude existiert noch heute, steht unter Denkmalschutz und wird als Wohnhaus genutzt. Vom Radweg zwischen Groß Lindow und Rautenkranz sind zudem die alten Grenzhügel gut zu erkennen – stille Zeitzeugen einer bewegten Geschichte.
13. Kaisermühl
Grenzregion – nur bedingt Kontrolle über das Wasser
Das Klosterland Neuzelle war immer Grenzland – sowohl zu anderen Ordensgemeinschaften als auch zwischen Sachsen und Preußen. Die Grenze verlief einige Meter von Kaisermühl, direkt an der Schlaube und dem Friedrich-Wilhelm-Kanal.
Kampf um die Schlaube
Westlich begann das Land des Johanniterordens, mit dem die Zisterzienser jahrzehntelange Grenzstreitigkeiten um die Schlaube ausfochten. Die Neuzeller Mönche setzten sich durch und sicherten sich die Schlaube – und damit die Herrschaft über das Wasser, über Mühlen und Fischzucht.
Kein Glück beim Bau des Friedrich-Wilhelm-Kanals.
Dieser brachte als Verbindung zwischen Spree und Oder wirtschaftliche Vorteile, jedoch nicht dem Kloster. Der Kanal verlief knapp außerhalb des Klosterlands und die Mönche standen außen vor. Zölle wurden fällig und die Kontrolle über das Wasser ging verloren. Heute ist der Kanal ein verwunschen wirkendes Refugium für Pflanzen und Tiere und die zauberhafte Terrasse des Hotels Kaisermühle lädt zur Rast ein, das beruhigende Plätschern der Schlaube ist dabei Teil der Szenerie.
14. Siehdichum
Ein Name, der zur Phantasie anregt!
Von Müllrose aus tauchst Du nach Süden radelnd nun ins Schlaubetal ein, Brandenburgs schönstes Bachtal. Mitten in den Wäldern über der Schlaube ließen die Mönche 1742 ein „Jägerhaus“ errichten – ein Ort der Einkehr und Besinnung, mit Sichtachsen in alle Richtungen. Sie wussten warum, es ist auch heute noch die schönste Stelle an der Schlaube.
Der Name Siehdichum verdeutlicht dies.
Er beflügelt bis heute die Fantasie: als Einladung, die Schönheit der Natur zu bestaunen, aber auch als Mahnung, achtsam durch die Sümpfe im tiefen Wald zu wandern. Hier, im Herzen des Schlaubetals, ruhten die Mönche, beteten und jagten. Heute lädt das Forsthaus Siehdichum zur Einkehr ein – um dabei auch Gedanken und Blicke schweifen zu lassen.
Siehdichum!
15. Wirchensee
Fisch ist Auslegungssache – vor allem zur Fastenzeit
Im wasserreichen Klosterland spielten Fischzucht und Fang seit jeher eine große Rolle. Entlang der Schlaube legten die Neuzeller Mönche zahlreiche Teiche an, um den hohen Bedarf an Fisch zu decken. Denn Fleisch durften sie an vielen Tagen, z.B. zur Fastenzeit, nicht essen.
Doch die Mönche wussten sich zu helfen!
Biber, Fischotter und sogar Sumpfschildkröten wurden dank ihrer Schuppen und Lebensweise im Wasser kurzerhand zu „Fischen“ erklärt. Eine kreative Auslegung, die fast zum Aussterben mancher Arten führte. Auch Fisch- und Seeadler wurden gejagt, aus Angst, diese würden den Fischbestand dezimieren.
Heute kreisen die Adler wieder über dem Wirchensee!
Ein Sinnbild für Natur, die sich ihren Raum zurückerobert. Mit etwas Glück kannst Du einen Adler während einer Pause auf der Terrasse des Waldseehotels beobachten. Und, nimm Dir die Zeit, lass Dein Rad stehen und wandere in einer knappen Stunde um den See. Vom „Försterblick“ hast Du einen „Lieblingsblick“ über die Weite des Sees.
16. Treppeln
Der Wollenbergaufstand – Kampf um Gerechtigkeit
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Land verwüstet, die Menschen litten unter hohen Abgaben an das Kloster. Dieses stand selbst unter Druck und verkaufte deshalb Besitz – etwa 1652 das Kruggut Treppeln, das ein Vorfahr der heutigen Wirtsfamilie Köhler erwarb.
Treppeln war der Ausgangspunkt des Aufstands
Ein Bürger aus Treppeln, Georg Wollenberg, versuchte alles, den Bauern zu helfen. Er fälschte das Grundbuch zur Verwaltung des Klosterlands und minderte darin die Pflichten der Untertanen. Diese forderten ihre vermeintlichen Rechte ein, Dienstverweigerungen und Unruhen waren das Resultat. Der „Wollenberg-Aufstand“ erschütterte das Klosterland bis ins Mark.
Wollenberg musste dafür bezahlen, und zwar bitter!
Er wurde inhaftiert, verurteilt und verstarb im Klostergefängnis. Doch sein Wirken blieb nicht ohne Folgen: Der gesamte Klosterbesitz wurde neu vermessen, der daraus entstandene Stiftsatlas bildet bis heute die Grundlage für die Dokumentation des ehemaligen Klosterlands.
Der heutige Gasthof Köhler, der bei Klosterbier zur Einkehr einlädt, war Zeitzeuge dieser spannenden Ereignisse. Vor seiner Tür erinnert eine Friedenseiche an den Wunsch nach Gerechtigkeit – ein stilles Zeichen, wie sehr diese Geschichte bis heute nachwirkt.
Und die Geschichte wird fortgeschrieben:
Ironie der Geschichte oder Fügung? Ausgerechnet hier, wo Wollenberg einst den Widerstand gegen die Obrigkeit probte, errichten die Mönche heute ihr brandneues Kloster Maria Friedenshort.
Bist du bereit für deine Zeitreise?
Die Geschichte der Mönche wartet auf dich
Und wir haben den Weg schon für dich vorbereitet.
Unterwegs folgst du einfach den Wegweisern mit dem Logo der Radtour, das du auch auf dem Bild daneben auf den Schildern siehst. Er ist ein Mönch auf dem Fahrrad.
Unser Tipp: Teile dir die Strecke entspannt in zwei oder drei Tages-Etappen auf oder mach aus der Tour den perfekten Kurzurlaub.
Nimm dir Zeit für die Geschichten am Wegesrand, lass die Landschaft auf dich wirken und belohne dich am Abend mit einer gemütlichen Einkehr.
Wir haben die Routenplanung zur Mönchstour für dich vorbereitet, damit du nur noch losfahren musst.
An- / Abreise:
ÖPNV: RE1 nach Frankfurt (Oder), dann RB43 nach Falkenberg (Elster) oder RE10 nach Leipzig
PKW: z.B. öffentl. Parkplatz Brauhausplatz Neuzelle
Damit aus deiner Tour ein entspannter Kurzurlaub wird, haben wir hier die schönsten Quartiere für radfreundliche Zwischenstopps zusammengestellt:
Kulinarik entlang der Strecke
Gut übernachten entlang der Strecke