© Seenland Oder-Spree / Florian Läufer

Schlaubetal-Wanderweg

Vorhang auf für eine der schönsten Naturkulissen Brandenburgs

Dem Flüstern der Schlaube folgen

Deine Wanderreise zu stillen Orten, lebendigen Landschaften und verborgenen Geschichten.

Vorhang auf für eine Landschaft, die dich einnimmt und staunen lässt. Der Schlaubetal-Wanderweg führt dich auf rund 25 Kilometern hinein in eines der ursprünglichsten Flusstäler Brandenburgs – wildromantisch, geheimnisvoll und voller Leben. Seit der Eiszeit formt das Wasser diese Landschaft, schafft Moore, nährt Wälder und erzählt dabei eine eigene Geschichte: von der Kraft des Wassers, von Menschen und von Mühlen, die es einst antrieb. 

Und immer wieder ist sie da: die Schlaube. Mal still und klar, mal wild und rauschend, begleitet dich der Bach wie ein alter Freund, der flüstert, schweigt und kichert. Er führt dich zu versteckten Orten und stillen Plätzen, an denen Zeit und Natur miteinander verschmelzen. Wer ihm folgt, entdeckt eine Welt aus Farben, Leben und Licht. 

Lass dich führen, verzaubern und entschleunigen. Der Schlaubetal-Wanderweg ist mehr als ein Weg: er ist eine Bühne, auf der Natur und Geschichte gemeinsam spielen. Lausche, staune, wandere – und mach den Bach zu Deinem Ding.

© Seenland Oder-Spree / Florian Läufer

Das erwartet dich auf der Tour

  • Seenreiche Stille & lebendiges Wasser Begleite die Schlaube auf ihrem Weg durch eine der schönsten Bach- und Seenlandschaften Brandenburgs – von klaren Rinnenseen bis zu verwunschenen Talabschnitten.

  • Fünf Bachflüsterorte Besondere Plätze am Wasser laden dich ein, stehen zu bleiben, zu lauschen und die feinen Zwischentöne der Landschaft wahrzunehmen. Hier wird die Schlaube zur Erzählerin.

  • 29 Schau- und Erlebnisorte Aussichtspunkte, Mühlen, Seen und verborgene Übergänge machen die Wanderung zu einer Folge stiller Höhepunkte – jeder Ort mit eigener Geschichte und eigenem Charakter.

  • Gewollte Wildnis & sensible Lebensräume Beobachte, wie sich die Schlaube Raum nimmt: Moore, Feuchtwiesen und bachbegleitende Wälder bilden geschützte Rückzugsorte für seltene Tier- und Pflanzenarten.

  • Weitblicke & stille Waldpfade Erlebe Aussichtspunkte wie „Himmel & Hölle“, einsame Ufer und alte Forsten, in denen Jahrhunderte spürbar bleiben.

  • Genussvolle Pausenorte Historische Gasthäuser, stille Rastplätze und Übernachtungsmöglichkeiten laden dazu ein, die Etappen individuell zu gestalten – in deinem Tempo, mit Raum zum Verweilen.

  • Gut begehbar, bewusst erlebbar Rund 28 Kilometer, drei Episoden – und ein roter Faden: die Schlaube. Die Tour ist so angelegt, dass du sie am Stück gehen oder in einzelne Etappen aufteilen kannst. Jede Episode funktioniert auch für sich – mit eigenem Einstieg, eigenem Rhythmus und eigenen Höhepunkten. Geh den Weg komplett oder stelle dir Deine Wanderung individuell zusammen. Dich erwarten überwiegend naturnahe Wald- und Uferwege, nur wenige Steigungen und eine Landschaft, die sich von Frühling bis Herbst immer wieder neu inszeniert.

  • Mit dem Bus ins Wandererlebnis Die Ausflugslinie A400 macht den Einstieg leicht: Vom RE1 (und RB 36) geht es direkt ins Schlaubetal – zu Seen, Aussichtspunkten und den Episoden entlang des Weges.

Prolog

Dein Auftakt ins Schlaubetal.

Schon im Naturparkhaus Müllrose kannst Du dich in einer spannenden Ausstellung darauf einstimmen, was dich draußen erwartet: Moore und Wälder, Seen und alte Mühlen, seltene Pflanzen und Tiere – und immer wieder der Bach, der all das verbindet. Bilder, Klänge und kleine Geschichten geben einen ersten Überblick und machen Lust, selbst loszugehen. Vom Naturparkhaus führt dich dein Weg vorbei am Markt zur Seepromenade. Kurz hinter der Müllroser Mühle erwartet dich der Lieblingsblick: Hier öffnet sich die Landschaft, Wasser und Himmel spiegeln sich ineinander, der Große Müllroser See liegt weit und ruhig vor dir. Ein Moment des Innehaltens – bevor es weitergeht. Am Startpunkt des Schlaubetal-Wanderwegs beginnt deine Reise. In drei Episoden entfaltet sich dein Erlebnis Schritt für Schritt. Du bestimmst das Tempo, die Tiefe, den Weg. Die Schlaube begleitet dich dabei – von Anfang an.

1. Naturparkhaus und Schlaubetalinformation

Auftakt zur Reise

Bevor sich die Landschaft für dich öffnet, lohnt ein kurzer Moment im Naturparkhaus. Hier bekommst du einen Überblick, der deine Reise vertieft – und der Lust weckt, aufzubrechen.

Die Ausstellung folgt der Schlaube wie einem roten Faden. Sie zeigt, wie Eiszeit, Wasser, Wälder und Menschen diesen besonderen Naturraum gestaltet haben – genau so, wie du sie später draußen erleben wirst. Die Schlaube verbindet alles: als Bach, als Gestalterin der Landschaft und als stiller Begleiter auf deinem Weg.

Die angrenzende Schlaubetalinformation ist der ideale Ort, um deine Reise vorzubereiten. Hier kannst Du dich orientieren, Fragen klären und deinen eigenen Zugang zum Schlaubetal finden. Karten, Hinweise und Hintergründe helfen dir, die Etappen des Schlaubetal-Wanderwegs einzuordnen – oder eine Extra-Seeblick-Runde zu erleben.

Wer mag, stimmt sich hier bewusst ein: auf das Gehen, das Lauschen, das langsamer Werden. Denn draußen wartet kein klassisches Wanderziel, sondern ein Erlebnisraum. Und die Schlaube lädt dich ein, ihr zu folgen – Schritt für Schritt hinein ins magische Bachtal.

2. Müllroser Mühle 

Wasserkraft seit Jahrhunderten

Ein Ort zwischen Seeufer und Arbeitsalltag: Direkt am Großen Müllroser See arbeitet eine Mühle, deren Geschichte eng mit dem Wasser verbunden ist – beständig, verlässlich, im Takt der Landschaft. Die Müllroser Mühle gehört zu den wenigen gebliebenen Mühlenstandorten im Schlaubetal und ist die einzige, die ihre Aufgabe bis heute fortsetzt.

Einst war das Tal von Mühlen geprägt: Entlang von Schlaube, Oelse und Dorche nutzten sie die Kraft des Wassers zum Mahlen von Getreide oder zum Sägen von Holz. Viele sind verschwunden, manche nur noch Erinnerung. Die Müllroser Mühle aber erzählt weiter. Seit über 750 Jahren wird hier Korn verarbeitet – vom mittelalterlichen Mühlenbetrieb bis zur modernen Industriemühle.

Technik und Zeit haben den Ort verändert, doch das Prinzip blieb gleich: Wasser bringt Bewegung, Bewegung schafft Nahrung. So verbindet die Mühle Vergangenheit und Gegenwart – still, selbstverständlich und mitten im Alltag. Ein guter Auftakt für den Weg ins Schlaubetal, wo Wasser nicht nur Natur formt, sondern seit jeher Leben ermöglicht.

Tipp für unterwegs:

Im Mühlenladen kannst du Mehle, Flocken und Backmischungen direkt vor Ort entdecken – vielleicht sogar für dein eigenes Schlaubetal-Pausenbrot. Ein Stück Mühlengeschichte zum Mitnehmen, bevor der Weg weiter ins Tal führt.

Episode I

 Auf der Suche nach der Schlaube

Segelboot Muellroser See Sommer Schlaubetal Müllrose
© Constanze Mikeska

Vom Müllroser See durchs untere Schlaubetal zum Kupferhammer
ca. 8 km | 2,5–3 Stunden gemütliche Gehzeit

Am Ufer des Großen Müllroser Sees beginnt deine Suche – dort, wo sich Himmel und Wasser begegnen. Der See liegt weit und ruhig vor dir. Segelboote ziehen ihre Kreise, Stimmen treiben über das Wasser, und am Strand liegt der Duft von Ferientagen in der Luft.

Zwischen Wiesen und Sümpfen, wo das seltene Braunmoosmoor seine Geheimnisse bewahrt, hält die Landschaft inne. Libellen begleiten dich, während sich der Weg langsam vom See löst und tiefer in das untere Schlaubetal führt. Noch verbirgt sich der Bach – Geduld gehört hier dazu.

Dann zeigt er sich endlich. An der Ragower Mühle erwacht die Schlaube zum Leben: Sie flüstert, sprudelt, erzählt. Wasser treibt Räder, bewegt Geschichte. Hier übernimmt der Bach klar die Hauptrolle – heute wie in vergangenen Zeiten. Auch am lost place der Mittelmühle ist sie noch spürbar, leise und beharrlich.

Ruhig mäandert die Schlaube weiter durch die Wiesen, sammelt Kraft, gewinnt an Tempo. Kurz vor dem Kupferhammer plappert sie wie ein kleiner Gebirgsbach, verschluckt sich fast vor Freude – so lebendig, dass sie dich verweilen lässt. Hier wird spürbar: Die Reise der Schlaube hat gerade erst begonnen.

3. Freibad Müllrose 

Sommerfrische am See

Ein Sommertag am Großen Müllroser See. Das Wasser glitzert, Stimmen tragen weit über den Strand, Segelboote ziehen gemächlich ihre Bahnen. Schon in den 1920er-Jahren fand man hier in Müllrose Erholung und Leichtigkeit, fernab vom Alltag. Der See, in dem sich die Schlaube weitet und sammelt, wurde zum Treffpunkt für Badegäste, Ausflügler und Berliner Sommerfrischler.

Das Freibad entwickelte sich zum Sinnbild dieser Zeit: Sonne auf der Haut, Lachen im Wasser, Musik vom Pavillon. Die Fotografin Ursula Raschke hielt diese Momente fest – Bilder einer Epoche, in der Freizeit, Natur und ein neues Lebensgefühl zusammenfanden. Noch heute liegt etwas von diesem Geist über dem See, wenn das Wasser ruhig schimmert und der Sommer den Takt vorgibt.

4. Rastplatz Ostufer Müllroser See 

Magie des Blicks

Hier lohnt es sich, kurz innezuhalten. Der Blick öffnet sich über den Großen Müllroser See, das Wasser liegt ruhig, das Schilf raschelt leise am Ufer. Licht und Himmel spiegeln sich auf der Oberfläche – ein erster magischer Ort am Weg, der zum Verweilen einlädt.

In den 1930er-Jahren ließ Bürgermeister Bruno Lange einen Wanderweg entlang beider Seeufer anlegen und zwei geschützte Rastplätze errichten – einen am Ost-, einen am Westufer. Die runden, damals mit Schilf gedeckten Bauten mit Bänken und einem Tisch in der Mitte wurden schnell zu beliebten Treffpunkten für Wanderer und Badegäste. Im Volksmund nannte man sie bald „Brunos Ruh“ – Orte der Pause, der Aussicht, des Zusammenseins.

Bis heute ist dieser Platz ein Moment des Durchatmens. Der Große Müllroser See, gespeist von der Schlaube, liegt still vor dir. Wasservögel ziehen ihre Bahnen, im Schilf verbirgt sich Leben. Wer hier verweilt, spürt: Manche Orte wurden genau dafür geschaffen – um einfach zu schauen, zu sitzen und die Landschaft wirken zu lassen.

5. Aussichtspunkt Seeschlösschen

Weite über dem Müllroser See

Ein Ort für den weiten Blick. Von hier aus öffnet sich der Große Müllroser See in seiner ganzen Länge, das Wasser zieht sich bis zum Horizont, Licht und Himmel verschmelzen. Schon früher war dieser Aussichtspunkt ein Ziel für alle, die das Besondere suchten.

Der Weg führte damals zum Seeschlösschen, einer beliebten Einkehr mit Pavillon und Seeblick. Mutter Heinrichs frisch gebackener Blechkuchen und belegte Brote machten den Aufenthalt komplett. Für ein kleines Abenteuer sorgte die Glocke am Westufer: Wer sie läutete, wurde mit einem großen Paddelboot abgeholt und über den See gebracht – eine Überfahrt, die vielen Gästen unvergessen blieb.

Gegenüber liegt die Fischerwerdel, die sagenumwobene Liebesinsel des Sees. Einer Legende nach entstand sie, als ein Riese vom sumpfigen Westufer des Sees hinüberlief, um am Ostufer weißen Sand zu holen. Doch auf dem Rückweg stolperte er, und der Sack mit dem Sand landete im Wasser – so, heißt es, formte sich die kleine Insel. Noch heute schweift der Blick von hier über den See, weit nach Norden, bis zur Oderlandmühle. Ein Platz zum Schauen, Lauschen – und zum Weiterträumen.

6. Orchideenwiese

Verborgene Vielfalt

Noch hält sich die Schlaube zurück. Sie fließt verborgen durch Wiesen und Senken – und schafft dabei etwas Besonderes. Als schmales Band entlang ihres Laufs haben sich hier im Naturschutzgebiet „Unteres Schlaubetal“ Niedermoore entwickelt, Feuchtgebiete von großer Bedeutung und erstaunlicher Vielfalt.

Wo Wasser langsam steht und der Boden atmet, entstehen Orte für das Seltene. Auf diesen feuchten Wiesen wächst eine Pflanzenwelt, die Zeit, Ruhe und das richtige Maß braucht. Orchideen finden hier genau diese Bedingungen – und machen das Schlaubetal zu einer der orchideenreichsten Landschaften Deutschlands. Arten wie der Frauenschuh oder die Korallenwurz blühen dort, wo Natur und behutsame Pflege im Gleichgewicht sind.

Wer hier innehält, blickt auf eine Landschaft, die leise wirkt – und doch voller Leben ist. Wer tiefer eintauchen möchte, kann bei Führungen mit den Rangern mehr über die verborgenen Zusammenhänge dieses besonderen Naturraums erfahren.

7. Belenzsee

stilles Sammeln

Glasklares Wasser, das Ruhe ausstrahlt. Der Belenzsee liegt still im Tal, sammelt Licht und Wasser aus den umliegenden Höhen und gibt es an die Schlaube weiter. Was hier so klar und unbewegt erscheint, ist Teil eines größeren Zusammenhangs: Aus dem See setzt die Schlaube ihren Weg fort und formt das Tal, durch das du weiter wanderst.

Der Belenzsee ruht in einem besonders sensiblen Naturraum des Schlaubetals. Feuchte Wiesen, Moorböden und bachbegleitende Wälder greifen hier ineinander und schaffen Lebensräume von hoher ökologischer Bedeutung. Ein Großteil dieser Landschaft steht heute unter Schutz – als Naturschutzgebiet Unteres Schlaubetal.

Noch einmal öffnet sich der Blick über den See, bevor sich der Weg verengt und die Schlaube bald hörbar wird. Wer hier steht, spürt: Dieses Tal lebt vom Zusammenspiel aus Stille, Zeit und Wasser.

8. Ragower Mühle

Wo der Bach erzählt

Es ist nicht zu überhören: Hier empfängt dich die Schlaube in ihrer ganzen Lebendigkeit. Am ersten Bachflüsterort rauscht und gurgelt sie – als wolle sie zeigen, dass sie hier die Hauptrolle spielt. Wer innehält, hört, wie das Wasser Geschichten erzählt: von Rädern, die sich drehten, von Arbeit, Wandel und Zeit.

Die Ragower Mühle, einst Mahl- und Sägewerk, ist heute ein liebevoll bewahrtes technisches Denkmal – einzigartig im Schlaubetal mit originaler Mühlentechnik. Das Rauschen des Bachs mischt sich mit dem Singen der Zahnräder und dem Duft von Holz. Und wer mit offenen Ohren lauscht, erfährt von Baldur Börner, dem Mühlenbesitzer, was die Schlaube bis heute bewegt.

9. Lost Place Mittelmühle 

Spuren im Verborgenen

Etwas abseits des Weges liegt der Standort der ehemaligen Mittelmühle – verborgen, ruhig und heute nur noch zu erahnen. Die Gebäude sind verschwunden, geblieben ist ein Ort, an dem man die Geschichte zwischen Bäumen, Wegen und Lichtungen spürt. Wer ihn aufspürt, findet Idylle und Stille – und begegnet der Schlaube erneut.

Über Jahrhunderte diente die Mittelmühle als Mahlmühle, später wurde sie zu DDR-Zeiten als Ferienheim genutzt. Besonders verbunden ist der Ort mit den Müllerfamilien Zeidler und Schur. Müller Zeidler, eigentlich musisch begabt und Organist, hätte lieber unterrichtet als gemahlen – doch Tradition und Herkunft bestimmten seinen Weg. Die Liebe zur Musik begleitete ihn ein Leben lang.

Die Mittelmühle steht für den Wandel – und für das, was bleibt. Für Lebenswege, Entscheidungen und Erinnerungen, die sich mit dem Lauf der Schlaube verbunden haben. Ein Ort, der zum Innehalten einlädt, bevor der Weg weiterführt.

10. Rastplatz Mäanderblick 

Der Bach in Bewegung

Tief unten zeigt sich hier die Schlaube von ihrer verspielten Seite. Sie schlängelt sich durch Schilfröhrichte und ehemalige Feuchtwiesen, zieht sanfte Bögen, bildet kleine Sandflächen und verschwindet immer wieder hinter Gehölzen aus Erlen, Birken und Flatter-Ulmen. Der Bachlauf wirkt lebendig, kühl und schattig – ein Ort zum Durchatmen und Beobachten.

Der gewundene Verlauf hat einen Namen: Mäander. Der Begriff stammt aus der Antike und geht auf den Fluss Maiandros zurück, der für seine vielen Schleifen bekannt war. Auch hier folgt die Schlaube ihrem natürlichen Rhythmus – mit kleinen Prallhängen, Stillwasserbereichen und wechselnden Strömungen.

Totholz, flache Uferzonen und ruhige Wasserpools machen diesen Abschnitt zu einem besonders artenreichen Lebensraum. Wer am Rastplatz innehält, erkennt: So bewegt sich ein Bach, wenn man ihm Raum lässt. Ein stiller, ursprünglicher Moment im Schlaubetal.

11. Kupferhammer

Wasser treibt Geschichte an

Am Kupferhammer zeigt die Schlaube ihre ganze Kraft – ein Bachflüsterort voller Energie. Sie rauscht, springt, wirbelt – und erzählt von einem Ort, an dem Wasser über Jahrhunderte Arbeit und Wandel bestimmte. Bereits im 16. Jahrhundert nutzte man hier die Wasserkraft für Kupfer- und Eisenverarbeitung, später auch für Mühle und Tuchmacherei. Die Schlaube war Motor eines kleinen Industrieortes – geregelt, gestaut, gezähmt.

Im Laufe der Zeit veränderte sich der Kupferhammer. Aus dem Hammerwerk wurde eine Schankwirtschaft, später lieferte eine Kleinwasserkraftanlage noch Strom für umliegende Dörfer. Spuren dieser Vergangenheit lassen sich bis heute entdecken – und lebendig erzählen, etwa in den Erinnerungen der Schernsdorferin Gudrun Hänschen, die bei archäologischen Grabungen half, Geschichte freizulegen.

Heute bewegt die Schlaube hier nicht nur Erinnerungen, sondern auch Leben: Eine Sohlgleite macht den Bach wieder durchlässig für wandernde Fische. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander – und der Weg führt weiter. Folge der Schlaube, wenn sie sich weitet, kleine Seen durchfließt und dich in Episode II tiefer hinein ins Schlaubetal begleitet.

Episode II

Wenn der Bach zur Seenkette wird

Am Hammersee Sommer
© Seenland Oder-Spree / Florian Läufer

Vom Kupferhammer zur Bremsdorfer Mühle
ca. 10 km | ca. 3,5 Stunden gemütliche Gehzeit

Eben noch schmal und rauschend, verändert die Schlaube nun ihr Gesicht. Sie wird ruhiger, weiter, sammelt sich – und fließt gemächlich durch eine Kette von fünf Seen. Das Wasser öffnet die Landschaft, Spiegel entstehen, Ufer treten zurück.

Lass dich von ihr durch die gebirgsartig eingeschnittene Schlauberinne führen. Zwischen Seen und dichten Wäldern verzweigt sich der Lauf, wirkt stellenweise wild und urtümlich – fast wie ein ferner Flussarm. Kleine Zuflüsse flüstern sich heran, als wollten sie die Schlaube unterstützen auf ihrem Weg.

Bei Siehdichum verändert sich die Stimmung. Im weiten Wald, zwischen zwei Schlaubeseen, liegt auf einer stillen Anhöhe ein abgeschiedenes Anwesen – verborgen, sagenumwoben und wie geschaffen für eine Pause. Ein Ort zum Durchatmen, zum Schauen, zum Bleibenwollen.

Immer wieder öffnen sich magische Blicke auf die eiszeitlich entstandenen Seen, bevor der Weg dich zur Bremsdorfer Mühle führt. Hier wartet eine Entscheidung – zwischen Himmel oder Hölle. Und damit der nächste Schritt auf deiner Reise mit der Schlaube.

12. Schulzenwasser

gewollte Wildnis

Hier verändert die Schlaube ihr Gesicht. Der Bach weitet sich, fließt ruhiger – und wird zum Schulzenwasser. Ein Ort für eine Pause, für einen Moment des Schauens und Verstehens.

Der Name erzählt von Geschichte: Schulzenwasser geht vermutlich auf eine sorbische Bezeichnung des früheren Plötzensees zurück. Wie viele Gewässer im Schlaubetal trägt auch dieser See Spuren unterschiedlicher Kulturen und Zeiten in sich. Die Schlaube bleibt dabei, was sie immer ist – verbindendes Element und Gestalterin der Landschaft.

Was auf den ersten Blick wild und ungeordnet wirkt, ist hier bewusst zugelassen. Abgestorbene Bäume bleiben im Wasser stehen, ihre „Hauben“ ragen aus der Oberfläche. Sie bieten Schutz und Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, darunter auch den Gänsesäger. Mit etwas Geduld lässt er sich von der Rastbank aus beim Tauchen und Ruhen beobachten. Ein stiller Moment der zeigt, wie lebenswert diese gewollte Wildnis ist. Ein sensibler Naturraum und ein Beispiel dafür, wie sich die Schlaube immer wieder neu erfindet, wenn man ihr Raum lässt.

13. Langesee

noch mehr Seeblick

Still und weit liegt der Langesee vor dir und zeigt ein weiteres, ganz eigenes Gesicht der Schlaube. Von Wald gerahmt, lädt er dazu ein, den Blick schweifen zu lassen und für einen Moment im Gehen zu verweilen.

Unter der Oberfläche ist der See voller Leben. Als nährstoffreiches Gewässer bietet er vielen Fischarten Raum – von Hecht und Zander bis zu Karpfen und Barsch. Damit dieses Zusammenspiel im Gleichgewicht bleibt, wird der See behutsam bewirtschaftet. Natur zeigt sich hier nicht als Wildnis, sondern als fein austariertes Zusammenspiel.

Zwischen dem Langesee und dem folgenden Schinkensee führt der Schlaubetal-Wanderweg durch eine besondere Übergangslandschaft: rechts das Wasser, links vermoorte Feuchtgebiete, gespeist von Stauwasser. Ungewöhnliche Thujen säumen den Weg – einst durch den königlichen Oberförster aus Amerika eingeführt – und verweisen bereits auf einen besonderen Ort, der später erreicht wird: den Försterfriedhof Mattes Wundergarten.

Der Schinkensee kündigt sich leise an, verborgen im Schilf – und setzt die stille Seenkette fort.

14. Siehdichum

Pause mit Weitblick

Mitten im Schlaubetal öffnet sich bei Siehdichum ein Ort, an dem Wald, Geschichte und Ruhe zusammenkommen. Umgeben von alten Forsten liegt das traditionsreiche Forsthaus auf einer kleinen Anhöhe – ein kurzer Abstecher vom Weg und ein idealer Platz für eine Pause zwischen den Seen, zum Einkehren oder um mitten in der Landschaft gleich über Nacht zu bleiben.

Die Wälder rund um Siehdichum erzählen von Jahrhunderten behutsamer Nutzung. Hier wachsen die „Schlaubetaler Eichen“, der größte und ursprünglichste Traubeneichen-Bestand Brandenburgs. Einige dieser Bäume sind über 350 Jahre alt. Seit der Zeit des Stifts Neuzelle blieben große Teile dieses Waldes erhalten – ein lebendiges Archiv der Forstgeschichte, das man heute noch sehen und spüren kann.

Unweit des Forsthauses liegt der historische Försterfriedhof, still und verborgen im Wald. Er erinnert an die Menschen, die hier lebten, arbeiteten und den Wald prägten.

Wer sich Zeit nimmt, erlebt Siehdichum als besonderen Ruhepol auf der Wanderung: ein Ort zum Innehalten, Durchatmen und Kraft sammeln, den damals schon die Mönche aus dem Zisterzienserkloster als Rückzugsort für sich entdeckten.

15. Hammersee

Grünes Wasser, tiefe Ruhe

Ein Platz zum Durchatmen. Am Hammersee wird es still, weit und gelassen. Hier sammelt sich die Schlaube, kommt zur Ruhe und breitet sich als See aus. Wer eine Pause macht, spürt schnell, wie entschleunigend dieser Ort wirkt.

Der Hammersee ist – wie viele Seen entlang der Schlaube – ein eiszeitlich entstandener Rinnensee. Sein grünlich schimmerndes Wasser fällt sofort ins Auge. Ursache dafür ist sein natürlicher Reichtum an Nährstoffen: Der Hammersee gehört zu den sogenannten eutrophen Gewässern. Das bedeutet, dass hier besonders viel pflanzliches Leben im Wasser wächst. Algen und Phytoplankton färben den See grün und sorgen für geringe Sichttiefen – ein ganz typisches Bild dieser Seenlandschaft.

Der Nährstoffreichtum des Hammersees ist dabei kein Zufall. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Landschaft, Boden und Wasser: Eiszeitliche Ablagerungen im Untergrund geben Mineralien frei, die den See bis heute prägen. So entsteht ein sensibles Gleichgewicht, das den Hammersee zu einem besonderen Lebensraum macht – typisch für das Schlaubetal und seine vielgestaltige Seenlandschaft.

16. Die stille Brücke 

Zwischen den Wassern

Hier verändert sich die Stimmung spürbar. An der schmalen Brücke zwischen Hammersee und Großem Treppelsee beginnt nach Süden das Naturschutzgebiet „Schlaubetal“. Die Schlaube zieht ruhig unter dir hindurch, umgeben von Erlenbrüchen und kleinen Erleninseln, die diesem Ort eine beinahe verwunschene Atmosphäre verleihen. Mancher fühlt sich an den Spreewald erinnert – doch die spektakulären Talhänge und die lebendige Topografie geben dem Schlaubetal seinen ganz eigenen Charakter.

Wer innehält und genauer hinschaut, entdeckt ein reiches Tierleben: Eisvögel blitzen über das Wasser, Gänsesäger und Schellenten gleiten durch die stillen Bereiche. Mit etwas Glück lässt sich sogar der scheue Waldkauz hören. Noch tiefer in die Magie des Ortes kannst du bei einer geführten Birdwatching-Tour mit den Rangern eintauchen – wenn der Tag leiser wird und der Wald erwacht.

Wusstest Du schon?

Nur wenige hundert Meter westlich verläuft eine unsichtbare Grenze: eine Wasserscheide. Während die Schlaube über Oder und Ostsee entwässert, findet der nahe Schwesterfluss Ölse seinen Weg über Spree, Havel und Elbe bis in die Nordsee. Zwei Flüsse, zwei Meere – getrennt durch eine Landschaft, die die Eiszeit formte.

17. Großer Treppelsee 

weiter Lieblingsblick

Ein tiefer Atemzug. Am Nordende des Großen Treppelsees öffnet sich der Blick über eine der größten Wasserflächen im Schlaubetal. Der See zieht sich sanft nach Süden, die Oberfläche nimmt das Licht auf und lässt die Weite spürbar werden – ein Ort, der wirkt, ohne laut zu sein. Einer jener Lieblingsblicke, die man nicht vergisst, weil sie Raum lassen für Gedanken und Stille.

Der Große Treppelsee ist zugleich ein besonderer Ort für Naturbeobachtungen. Mit etwas Geduld lassen sich hier Fischadler, Schwarzmilane oder Drosselrohrsänger entdecken. Wer mag, kann den See auf einer Seeblick-Runde umrunden und an der Beobachtungshütte am Westufer verweilen – ein Platz zum Schauen und Lauschen.

Seit Generationen wird der See nachhaltig bewirtschaftet. Die Fischerei prägt den Treppelsee bis heute – behutsam, im Einklang mit der Natur. Zander, Hecht, Aal und Karpfen wachsen hier in freier Umgebung heran und finden ihren Weg frisch oder geräuchert in die Küchen der Region. Ein stiller Kreislauf aus Wasser, Zeit und Verantwortung.

18. Planfließ-Querung 

Munteres Bachgeplauder

Ein neuer Ton mischt sich ins Flüstern der Schlaube. Wer hier innehält und genau hinhört, merkt schnell: Das ist nicht nur ein Bach. Am Planfließ trifft die Schlaube auf ihre kleine, klare Schwester. Sprudelnd, lebhaft und voller eigener Töne quasselt sie dazwischen – und gemeinsam setzen beide ihren Weg fort. Ein Bachflüsterort, der überrascht.

Das Planfließ windet sich in sanften Kurven durch die Landschaft und bringt frisches, klares Wasser mit. Der feuchte Boden rund um den Bach schafft besondere Lebensräume: Orchideen fühlen sich hier wohl, Schmetterlinge wie das schillernde Blauwidderchen flattern über die Wiesen. Und wer aufmerksam schaut, entdeckt vielleicht die Spuren eines stillen Baumeisters – angenagte Stämme und kleine Dämme verraten, dass auch der Biber hier zuhause ist.

Wer mehr Zeit mitbringt, kann dem Planfließ ein Stück folgen und diesen besonderen Nebenbach auf der „Kleinen Canyontour“ näher kennenlernen – langsam, nah am Wasser und ganz im Rhythmus der Landschaft.

19. Himmel & Hölle

Weitblick über dem Schlaubetal

Am Lieblingsblick Himmel & Hölle öffnet sich das Schlaubetal noch einmal in seiner ganzen Tiefe und Weite. Von der Bremsdorfer Mühle und der gleichnamigen A400-Haltestelle ist es nur ein kurzer Abstecher von wenigen Metern bis zu diesem Ausblick. Hier schweift der Blick über Wald und See auf die sanften Linien der Landschaft.

Schon im 18. Jahrhundert wusste man diesen Platz zu schätzen: Abt Gabriel Dubau vom Kloster Neuzelle ließ hier eine kleine Einsiedelei als Außenstelle errichten – einen Ort der Einkehr, der Jagd und der Naturbeobachtung. Die Abgeschiedenheit und der weite Blick machten ihn zu einem besonderen Rückzugsort hoch über dem Tal.

Um den Namen rankt sich eine Legende: Zwei Mönche sollen auf ihrer Wanderung an einen Ort gekommen sein, an dem sich ein tiefer Einschnitt – die „Hölle“ – und ein weiter, lichter Ausblick – der „Himmel“ – unmittelbar gegenüberlagen. So wurde dieser Platz zum Sinnbild der Gegensätze, die hier bis heute spürbar sind.

Wer hier verweilt, erlebt einen Perspektivwechsel: Tiefe und Weite, Stille und Bewegung. Ein letzter großer Blick dieser Episode – bevor sich der Weg wieder senkt und die Schlaube dich weiterführt.

Episode III

Zwischen Dunkel und Licht – den wilden Schlaube-Canyon entdecken

Schlaubetal Wanderweg zwischen Licht und Dunkel
© Constanze Mikeska

Von der Bremsdorfer Mühle zur Schlaubemühle
ca. 7,5 km | ca. 2,5 Stunden gemütliche Gehzeit

Ab jetzt wird es dramatisch. Die Schlaube führt sich langsam bergan, tiefer hinein in ihr engstes Tal und weiter zu ihrem mystischen Ursprung. Sie windet sich in engen Kurven durch den Canyon, folgt ihrem eigenen Lauf und zieht sich mit sich.

Unter mächtigen Buchen wird es dunkel, kühl und schattig. Dichtes Laub schließt sich über dem Weg, das Licht fällt nur noch gefiltert auf den Boden. Der Pfad wird schmaler, abenteuerlicher. Links und rechts spürst du die Höhenunterschiede, die steilen Hangwälder der höchsten Erhebungen im Schlaubetal rücken nah heran. Der Canyon wirkt wild, urtümlich – und überraschend intensiv.

Dann öffnet sich der Raum. Es wird heller, ruhiger, beinahe friedlich. Die Lichtung der Kieselwitzer Mühle empfängt dich – ein Ort des Übergangs. Hier wird bis heute mit dem Wasser der Schlaube Fischzucht betrieben, behutsam eingebettet in die Landschaft.

Schließlich wartet das Finale: Eine kleine Miniaturwelt aus Mühlen, Bach und Wasserläufen, in der die noch junge Schlaube Unterstützung bekommt. Noch einmal öffnet sich der Blick tief in den Schlaube-Canyon – ein eindrucksvoller Einschnitt, den der Bach in jahrtausendelanger Arbeit in die Lieberoser Hochfläche geformt hat.

An der ehemaligen Schlaubemühle, einst Zentrum einer Müller-Dynastie, erreicht der Schlaubetal-Wanderweg sein Ziel. Die Schlaube ist hier noch jung – und doch ist ihre Geschichte bereits spürbar.

20. Bremsdorfer Mühle

Zwischen Wasserkraft und Bühnenlicht

An der Bremsdorfer Mühle überlagern sich Zeiten und Erzählungen. Seit Jahrhunderten nutzt man hier die Kraft der Schlaube – und immer wieder hat sich der Ort neu erfunden. Einst von den Mönchen des Klosters Neuzelle gepachtet, arbeitete die Mühle als Getreidemühle und Tuchwalk. Später wurde sie Gasthaus und Treffpunkt für Menschen aus der Umgebung – ein Ort des Ankommens, Bleibens und Weiterziehens.

Im 19. Jahrhundert schrieb die Bremsdorfer Mühle eine ihrer schillerndsten Episoden: Der damalige Besitzer verlor sie bei einem Kartenspiel an Baronin Natalie von Einsiedel, die den Ort zu ihrem Sommersitz machte. Hoch zu Pferd, selbstbewusst und sichtbar – eine Persönlichkeit, die dem Ort Glanz verlieh.

Auch später blieb die Mühle Bühne: Ein Berliner Kinobesitzer brachte sie im 20. Jahrhundert noch einmal ins Rampenlicht, und 2010 diente sie sogar als Filmkulisse. Heute steht die Mühle still – gezeichnet von einem Brand, offen in ihrer Zukunft. Doch genau darin liegt ihre Kraft: Sie erzählt vom Wandel entlang der Schlaube.

21. Schlaubecanyon I 

Hier führt die Zeit Regie

Hereinspaziert. Vor dir öffnet sich das Schlaubetal wie eine Bühne: steile Hänge, dichtes Grün, darunter der schmale Lauf der Schlaube. Wer hier auf der Bank sitzt, merkt sehr schnell – diese Landschaft setzt sich selbst in Szene. Still und eindrucksvoll.

Was du siehst, begann vor rund 20.000 Jahren. Während der Eiszeit formten gewaltige Schmelzwasserströme tiefe Rinnen in die Landschaft der Lieberoser Hochfläche. Nachdem die Gletscher verschwunden waren, übernahm die Schlaube. Über Jahrtausende grub sie sich weiter in Sand und Lehm, schuf Höhenstufen, Kerbtäler und jenen Canyon, der hier besonders eindrucksvoll erlebbar ist.

Doch diese Szene bleibt lebendig. Das Wasser verändert seinen Lauf, Biberdämme entstehen, Ufer verschieben sich, Neues wächst nach. Alles ist in Bewegung – leise, langsam und stetig. Wer hier verweilt, erlebt nicht nur Landschaft, sondern das Zusammenspiel von Zeit, Wasser und Wald – mitten im Schlaubetal.

22. Sumpfgebiet Schlaube 

Verborgene Wege

Ein stiller Pausenplatz. Die Schlaube zieht hier leise durch ein grünes, sumpfiges Gelände und bleibt fast unsichtbar. Der Weg begleitet ihren Lauf durch sanfte Hügel und lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten – zu schauen, zu hören, zu entspannen.

Je nach Jahreszeit verändert sich die Stimmung dieser Landschaft. Im Frühjahr und Sommer leuchtet sie sattgrün, im Herbst wird sie zu einem Mosaik aus Gelb-, Rot- und Brauntönen. Feuchtflächen und Erlenbrüche prägen das Bild, während die Schlaube sich still hindurchschlängelt.

Was heute wild wirkt, war einst genutzt. Früher lagen hier Wiesen, doch mit dem Rückzug der Bewirtschaftung gewann das Wasser Raum zurück. Erlenwälder wuchsen heran, Feuchtgebiete entstanden neu. Spuren alter Wege erinnern noch an frühere Zeiten. Gegenüber entspringen kleine Quellbäche aus den 126m hohen Nitzanbergen, flankiert von den Jakobbergen – Höhen und Tiefen, die man hier spürt.

Du befindest dich mitten im Naturschutzgebiet Schlaubetal. Ein stiller Ort, der Ruhe verlangt – und sie zugleich schenkt.

23. Kieselwitzer Mühle 

Wo launige Forellen wohnen

Die Kieselwitzer Mühle lässt die Schlaube im Verborgenen die Hauptrolle übernehmen. Kühl, klar und stetig fließt das Wasser durch Teiche und Rinnen und bestimmt den Rhythmus dieses Ortes. Was unscheinbar wirkt, ist hier entscheidend: Ohne die Schlaube gäbe es keine Fischzucht, keine Teiche, kein Leben im Wasser.

Die Geschichte der Mühle reicht weit zurück. Bereits 1420 wird sie erstmals erwähnt. Über Jahrhunderte nutzte man hier Wasserkraft und Teichsysteme – zunächst als Energiespeicher, später auch für die Fischzucht. Mönche legten die ersten Teiche an, die bis heute Teil des Ensembles sind.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann ein neues Kapitel: Mit dem Ausbau moderner Wasserläufe, errichtet durch italienische Arbeiter, wurde die Zucht von Regenbogenforellen möglich. Über einen Umfluter gelangt das frische Schlaubewasser bis heute in die Teiche – sauerstoffreich und konstant kühl.

Heute bewirtschaftet die Familie Gürtler die Anlage in dritter Generation. Die Forellen aus der Kieselwitzer Mühle stehen für regionale Qualität und gelebte Tradition. Wer hier innehält, spürt: Auch im Stillen bewegt die Schlaube viel.

24. Miniaturmühle am Kesselfließ 

Kühle Füße, leises Klappern

Hier darfst du näherkommen. Ein Bachflüsterort mit vielen Tönen: Das Kesselfließ plätschert so klar und kühl, dass man unwillkürlich die Schuhe auszieht. Frisches Quellwasser läuft über Steine, murmelt leise – und lädt dazu ein, einen Moment zu bleiben. Hör genau hin: kein einzelner Ton, sondern ein vielstimmiges Flüstern.

Mit überraschender Kraft setzt das kleine Fließ eine Miniaturmühle in Bewegung. Das Wasserrad klackert, das Bächlein kichert – und macht sich auf den Weg talwärts, der Schlaube entgegen. Die liebevoll gestalteten Mühlenmodelle erzählen von Menschen, die diesen Ort verstanden haben.

Richte den Blick einmal hangaufwärts in das schmale Kerbtal. Hier entspringt das Kesselfließ, eingebettet in einen besonderen Wald: den einzigen Waldmeister-Buchenwald im Schlaubetal. Steile Hänge, kühler Schatten, würziger Duft – ein stiller Quellraum. Solche kleinen Zuflüsse sind es, die die Schlaube speisen und ihr ihren gleichmäßigen Rhythmus geben – unauffällig, aber unverzichtbar.

25. Schmetterlingswiese

Sitzen.Atmen.Hören.

Ein Ort zum Anhalten. Ein stiller Bachflüsterort am Wegesrand. Vielleicht nimmst du zuerst nur Stille wahr. Dann ein leises Plätschern aus der Ferne. Ein Vogelruf mischt sich darunter, unterbricht das Bachgeflüster, setzt einen neuen Ton. Lauschen wird zur Entdeckung.

Die Wiese, an der du rastest, hat ihren eigenen Charakter: oben trocken und warm, unten feucht und wechselhaft. Genau dieses Mosaik zieht Schmetterlinge an. Mit etwas Glück entdeckst du den Kaisermantel – leuchtend orangebraun, mit silbrig schimmernder Flügelunterseite. Er gilt als Zeichen für intakte Lebensräume. Über 700 Arten sind im Schlaubetal nachgewiesen – auch dank der Pflege durch Naturwacht und Förderverein.

Wer mag, geht noch einmal näher ans Ufer. Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich hier Spuren eines heimlichen Gestalters finden: angenagte Stämme, gefällte Äste, vielleicht sogar eine Biberburg. Seine Bauwerke stauen Wasser, verändern den Lauf kleiner Fließe und schaffen neue Lebensräume. Was wie Eingriff wirkt, ist Teil einer lebendigen Dynamik.

Nicht alles zeigt sich auf den ersten Blick. Oft verraten sich die Bewohner des Waldes zuerst durch ihre Stimmen. Lass die Geräusche kommen und gehen. Manchmal erzählt die Landschaft am meisten, wenn man nichts weiter tut, als zuzuhören.

26. Schlaube-Canyon II 

Wo der Blick in die Tiefe fällt

Hier sitzt du wie auf einem Rangplatz. Tief unter dir windet sich die Schlaube durch ihr eigenes Werk – mehr als 30 Meter tiefer, klein im Anschein und doch voller Kraft. Von oben betrachtet öffnet sich der Schlaube-Canyon wie eine Naturbühne.

Über unzählige Jahre hat das Wasser diesen Raum geformt: nicht nur mit Kraft, auch mit Geduld. Schritt für Schritt hat sich die Schlaube in die Hochfläche geschnitten, Hänge freigelegt, Kurven gezogen und Tiefe geschaffen. Was heute an einen Canyon erinnert, ist das Ergebnis eines langen Spiels zwischen Wasser und Zeit – leise, stetig, unwiderstehlich.

Die Natur ordnet diesen Raum: Oben klammern sich Rotbuchen an die Hänge, unten begleiten Schwarzerlen den Lauf des Wassers. Dazwischen wechseln Waldtypen, Licht und Schatten – ein lebendiges Bühnenbild, das sich mit jedem Schritt und jedem Blick verändert.

27. Schlaubemühle

Vom Ankommen

Hier endet der Schlaubetal-Wanderweg. Oder beginnt – je nachdem, aus welcher Richtung du gekommen bist. Die Schlaubemühle markiert diesen Übergang ganz unspektakulär, fast beiläufig. Und gerade deshalb passt sie so gut an diesen Ort.

Seit über 600 Jahren nutzt man hier die Kraft der Schlaube. Schon 1420 ist die Mühle belegt, über Generationen wurde hier gemahlen, gewirtschaftet, gelebt. Besonders lange prägte die Müllerfamilie Lindner diesen Ort. Später änderte sich die Nutzung – vom Mahlbetrieb zum Gasthaus, heute ist die Schlaubemühle ein Ort der Information und des Naturschutzes. Die Schlaube blieb dabei immer der leise Motor im Hintergrund.

An dieser Stelle fällt der Vorhang und der Applaus gehört dir. Lass das Erlebte ausklingen und dreh noch eine Runde um den nahen Wirchensee – dort liegen die verborgenen Anfänge der Schlaube. Ein guter Ort, um die Episode ausklingen zu lassen – und den Weg noch einmal nachzuspüren.

Epilog

Dein Nachklang im Schlaubetal.

© KOPSCHproduction

Du hast das Ende deiner Wanderreise erreicht – und zugleich ihren Anfang berührt.

Die Wirchen-Wiesen und der stille Wirchensee verbergen die Quelle der Schlaube, dort, wo alles beginnt.

Noch einmal fließt die Landschaft an Dir vorbei: Wälder, Wasser, Wind.

Die Wirchenseerunde schenkt dir ein wunderbares Finale – hier kannst du die Vogelwelt beobachten, vom Försterblick über das Wasser schauen und dich später auf der Terrasse des Wirchensee-Restaurants zurücklehnen. Lass deine Reise noch einmal nachklingen.

Was bleibt, ist das Rauschen des Bachs – wie ein leises Echo der Wege, die du gegangen bist.

Nimm es mit, dieses Flüstern der Schlaube – und mach den Bach zu Deinem Ding.

28. Schlaubebrücke an den Wirchenwiesen 

Wo alles leise beginnt

Hier schließt sich der Kreis. Deine Wanderung mit der Schlaube findet ihr Ende – und zugleich ihren Ursprung. Ganz in der Nähe, verborgen in den Wirchenwiesen, beginnt der Weg des kleinen Flusses. Nicht als einzelne Quelle, nicht sichtbar oder greifbar, sondern als Zusammenspiel aus Wasser, Boden und Landschaft.

Die Wirchenwiesen sind ein sensibles Feuchtgebiet. Aus vielen kleinen, teils unterirdischen Zuflüssen sammelt sich hier das Wasser, gespeist aus den umliegenden Höhen der Fuchs- und Streitberge. Lautlos tritt es zusammen, formt einen ersten Bachlauf und fließt weiter in den Wirchensee – der Anfang einer Reise durch das Schlaubetal.

Die Schlaube lässt sich hier nicht finden. Sie zeigt sich nicht. Sie entsteht. Unspektakulär, still und ganz aus dem Umfeld heraus. Genau darin liegt ihre Magie: Aus feuchten Wiesen, sanften Hängen und verborgenen Wassern wächst ein Fluss, der sich aufmacht, Landschaften zu prägen und Geschichten zu tragen.

Wer hier verweilt, spürt den Moment des Anfangs. Kein Ziel, kein Höhepunkt – sondern ein leiser Übergang. Und vielleicht das schönste Ende dieser Wanderung.

29. Försterblick

Weite sehen, Stille hören

Manchmal braucht es nur ein paar Höhenmeter, um die Perspektive zu wechseln. Der Försterblick entstand 1997 aus der Idee des Revierförsters Dieter Malig: ein Ort, von dem aus sich der Wirchensee in seiner ganzen Ruhe und Weite zeigt. Für Wandernde auf dem Uferrundweg sollte hier ein Blick entstehen, der nicht erklärt – sondern wirken lässt.

Unter dir breitet sich der Wirchensee aus, der erste einer Kette von Seen, die am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind. Vor rund 10.000 Jahren formten Schmelzwässer diese Landschaft, heute durchfließt sie das noch junge Bächlein der Schlaube. Der See zählt zu den tiefsten im Schlaubetal – still, klar und von bewaldeten Ufern eingefasst.

Der Försterblick liegt auf etwa 101 Metern Höhe und öffnet den Blick über den südlichen Teil des Sees bis zur Halbinsel Großer Horst. Wenige Schritte weiter oben wartet ein zweiter Aussichtspunkt, im Volksmund „Oberförsterblick“ genannt – ein weiterer Lieblingsblick im Seenland Oder-Spree. Doch schon hier reicht es, stehen zu bleiben.

Denn dieser Ort lebt von den leisen Momenten: vom Flug eines Seeadlers, vom Sturz des Fischadlers ins Wasser, vom Trompeten der Kraniche im Frühjahr oder dem Röhren der Hirsche im Herbst. Wer Glück hat, beobachtet das Balzspiel der Haubentaucher. Wer nichts sucht, findet Ruhe. Genau das macht den Försterblick aus.

Bist du bereit für deine Wanderreise?

Verwunschene Landschaften haben sich für dich in Szene gesetzt

Das Schlaubetal ist eine Bühne, auf der dich Natur und Geschichte Schritt für Schritt begleiten. Der Weg ist für dich vorbereitet.
Unterwegs folgst du einfach der Markierung mit dem blauen „S“ auf weißem Grund. Sie führt dich zuverlässig durch Wälder, entlang der Seen und zu den 29 Schau- und Erlebnisorten – darunter fünf besondere Bachflüsterorte, an denen die Schlaube selbst zur Erzählerin wird.

Unser Tipp: Teile dir die rund 25 Kilometer entspannt in drei Episoden ein – oder mach aus der Tour einen kleinen Natururlaub. Nimm dir Zeit für Pausen, stille Ausblicke und eine gemütliche Einkehr am Wegesrand.

Wir haben die Route so aufbereitet, dass du dich ganz auf das Gehen konzentrieren kannst: folgen, schauen, hören.

An- und Abreise
Mit Bus und Bahn
RE1 nach Jacobsdorf, dann weiter mit der Ausflugslinie A400 vom 1. April bis 31. Oktober – ideal für Wanderetappen.

Ganzjährig: PlusBus-Linien im Landkreis Oder-Spree mit Anschluss an den RE1. PlusBus 400 (Beeskow–Eisenhüttenstadt) hält unter anderem an der Bremsdorfer Mühle – einem beliebten Einstieg in den Wanderweg.

Mit dem PKW
Parkmöglichkeiten findest du in Müllrose sowie an ausgewiesenen Wanderparkplätzen im Schlaubetal, etwa am Kupferhammer, in Siehdichum, an der Bremsdorfer Mühle, am Großen Treppelsee oder am Wirchensee.

 

Wegweiser im Schlaubetal Schlaubetal-Wanderweg blaues S
© Seenland Oder-Spree / Florian Läufer