Episode II
Wenn der Bach zur Seenkette wird
Schlaubetal-Wanderweg
Episode 2
12 Schulzenwasser – Gewollte Wildnis Was wild wirkt, ist bewusst zugelassen. Totholz, Wasser und Vögel schaffen einen sensiblen Lebensraum.
13 Langesee – Noch mehr Seeblick Weit, ruhig, fischreich. Der Langesee zeigt die Schlaube von ihrer offenen Seite.
14 Siehdichum – Pause mit Weitblick Alte Eichen, Forstgeschichte, Stille. Ein Ort zum Durchatmen mitten im Schlaubetal.
15 Hammersee – Grünes Wasser, tiefe Ruhe Grün schimmernd und nährstoffreich. Ein typischer Schlaubesee, der entschleunigt und wirkt.
16 Brücke Hammersee–Treppelsee – Zwischen den Wassern Hier beginnt das Naturschutzgebiet. Wasser, Erlen und Vogelstimmen schaffen eine beinahe verwunschene Stimmung.
17 Großer Treppelsee – Weiter Lieblingsblick Weite Wasserfläche, große Ruhe. Ein Ort für Geduld, Naturbeobachtung und nachhaltige Fischerei.
18 Planfließ-Querung – Munteres Bachgeplauder Zwei Bäche treffen sich. Klar, lebendig und voller kleiner Überraschungen.
19 Himmel & Hölle – Weitblick über dem Tal Tiefe und Weite liegen hier nah beieinander. Ein Blick, der Gegensätze spürbar macht.
Episode II
Wenn der Bach zur Seenkette wird
Vom Kupferhammer zur Bremsdorfer Mühle
ca. 10 km | ca. 3,5 Stunden gemütliche Gehzeit
Eben noch schmal und rauschend, verändert die Schlaube nun ihr Gesicht. Sie wird ruhiger, weiter, sammelt sich – und fließt gemächlich durch eine Kette von fünf Seen. Das Wasser öffnet die Landschaft, Spiegel entstehen, Ufer treten zurück.
Lass dich von ihr durch die gebirgsartig eingeschnittene Schlauberinne führen. Zwischen Seen und dichten Wäldern verzweigt sich der Lauf, wirkt stellenweise wild und urtümlich – fast wie ein ferner Flussarm. Kleine Zuflüsse flüstern sich heran, als wollten sie die Schlaube unterstützen auf ihrem Weg.
Bei Siehdichum verändert sich die Stimmung. Im weiten Wald, zwischen zwei Schlaubeseen, liegt auf einer stillen Anhöhe ein abgeschiedenes Anwesen – verborgen, sagenumwoben und wie geschaffen für eine Pause. Ein Ort zum Durchatmen, zum Schauen, zum Bleibenwollen.
Immer wieder öffnen sich magische Blicke auf die eiszeitlich entstandenen Seen, bevor der Weg dich zur Bremsdorfer Mühle führt. Hier wartet eine Entscheidung – zwischen Himmel oder Hölle. Und damit der nächste Schritt auf deiner Reise mit der Schlaube.
12. Schulzenwasser
gewollte Wildnis
Hier verändert die Schlaube ihr Gesicht. Der Bach weitet sich, fließt ruhiger – und wird zum Schulzenwasser. Ein Ort für eine Pause, für einen Moment des Schauens und Verstehens.
Der Name erzählt von Geschichte: Schulzenwasser geht vermutlich auf eine sorbische Bezeichnung des früheren Plötzensees zurück. Wie viele Gewässer im Schlaubetal trägt auch dieser See Spuren unterschiedlicher Kulturen und Zeiten in sich. Die Schlaube bleibt dabei, was sie immer ist – verbindendes Element und Gestalterin der Landschaft.
Was auf den ersten Blick wild und ungeordnet wirkt, ist hier bewusst zugelassen. Abgestorbene Bäume bleiben im Wasser stehen, ihre „Hauben“ ragen aus der Oberfläche. Sie bieten Schutz und Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, darunter auch den Gänsesäger. Mit etwas Geduld lässt er sich von der Rastbank aus beim Tauchen und Ruhen beobachten. Ein stiller Moment der zeigt, wie lebenswert diese gewollte Wildnis ist. Ein sensibler Naturraum und ein Beispiel dafür, wie sich die Schlaube immer wieder neu erfindet, wenn man ihr Raum lässt.
13. Langesee
noch mehr Seeblick
Still und weit liegt der Langesee vor dir und zeigt ein weiteres, ganz eigenes Gesicht der Schlaube. Von Wald gerahmt, lädt er dazu ein, den Blick schweifen zu lassen und für einen Moment im Gehen zu verweilen.
Unter der Oberfläche ist der See voller Leben. Als nährstoffreiches Gewässer bietet er vielen Fischarten Raum – von Hecht und Zander bis zu Karpfen und Barsch. Damit dieses Zusammenspiel im Gleichgewicht bleibt, wird der See behutsam bewirtschaftet. Natur zeigt sich hier nicht als Wildnis, sondern als fein austariertes Zusammenspiel.
Zwischen dem Langesee und dem folgenden Schinkensee führt der Schlaubetal-Wanderweg durch eine besondere Übergangslandschaft: rechts das Wasser, links vermoorte Feuchtgebiete, gespeist von Stauwasser. Ungewöhnliche Thujen säumen den Weg – einst durch den königlichen Oberförster aus Amerika eingeführt – und verweisen bereits auf einen besonderen Ort, der später erreicht wird: den Försterfriedhof Mattes Wundergarten.
Der Schinkensee kündigt sich leise an, verborgen im Schilf – und setzt die stille Seenkette fort.
14. Siehdichum
Pause mit Weitblick
Mitten im Schlaubetal öffnet sich bei Siehdichum ein Ort, an dem Wald, Geschichte und Ruhe zusammenkommen. Umgeben von alten Forsten liegt das traditionsreiche Forsthaus auf einer kleinen Anhöhe – ein kurzer Abstecher vom Weg und ein idealer Platz für eine Pause zwischen den Seen, zum Einkehren oder um mitten in der Landschaft gleich über Nacht zu bleiben.
Die Wälder rund um Siehdichum erzählen von Jahrhunderten behutsamer Nutzung. Hier wachsen die „Schlaubetaler Eichen“, der größte und ursprünglichste Traubeneichen-Bestand Brandenburgs. Einige dieser Bäume sind über 350 Jahre alt. Seit der Zeit des Stifts Neuzelle blieben große Teile dieses Waldes erhalten – ein lebendiges Archiv der Forstgeschichte, das man heute noch sehen und spüren kann.
Unweit des Forsthauses liegt der historische Försterfriedhof, still und verborgen im Wald. Er erinnert an die Menschen, die hier lebten, arbeiteten und den Wald prägten.
Wer sich Zeit nimmt, erlebt Siehdichum als besonderen Ruhepol auf der Wanderung: ein Ort zum Innehalten, Durchatmen und Kraft sammeln, den damals schon die Mönche aus dem Zisterzienserkloster als Rückzugsort für sich entdeckten.
15. Hammersee
Grünes Wasser, tiefe Ruhe
Ein Platz zum Durchatmen. Am Hammersee wird es still, weit und gelassen. Hier sammelt sich die Schlaube, kommt zur Ruhe und breitet sich als See aus. Wer eine Pause macht, spürt schnell, wie entschleunigend dieser Ort wirkt.
Der Hammersee ist – wie viele Seen entlang der Schlaube – ein eiszeitlich entstandener Rinnensee. Sein grünlich schimmerndes Wasser fällt sofort ins Auge. Ursache dafür ist sein natürlicher Reichtum an Nährstoffen: Der Hammersee gehört zu den sogenannten eutrophen Gewässern. Das bedeutet, dass hier besonders viel pflanzliches Leben im Wasser wächst. Algen und Phytoplankton färben den See grün und sorgen für geringe Sichttiefen – ein ganz typisches Bild dieser Seenlandschaft.
Der Nährstoffreichtum des Hammersees ist dabei kein Zufall. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Landschaft, Boden und Wasser: Eiszeitliche Ablagerungen im Untergrund geben Mineralien frei, die den See bis heute prägen. So entsteht ein sensibles Gleichgewicht, das den Hammersee zu einem besonderen Lebensraum macht – typisch für das Schlaubetal und seine vielgestaltige Seenlandschaft.
16. Die stille Brücke
Zwischen den Wassern
Hier verändert sich die Stimmung spürbar. An der schmalen Brücke zwischen Hammersee und Großem Treppelsee beginnt nach Süden das Naturschutzgebiet „Schlaubetal“. Die Schlaube zieht ruhig unter dir hindurch, umgeben von Erlenbrüchen und kleinen Erleninseln, die diesem Ort eine beinahe verwunschene Atmosphäre verleihen. Mancher fühlt sich an den Spreewald erinnert – doch die spektakulären Talhänge und die lebendige Topografie geben dem Schlaubetal seinen ganz eigenen Charakter.
Wer innehält und genauer hinschaut, entdeckt ein reiches Tierleben: Eisvögel blitzen über das Wasser, Gänsesäger und Schellenten gleiten durch die stillen Bereiche. Mit etwas Glück lässt sich sogar der scheue Waldkauz hören. Noch tiefer in die Magie des Ortes kannst du bei einer geführten Birdwatching-Tour mit den Rangern eintauchen – wenn der Tag leiser wird und der Wald erwacht.
Wusstest Du schon?
Nur wenige hundert Meter westlich verläuft eine unsichtbare Grenze: eine Wasserscheide. Während die Schlaube über Oder und Ostsee entwässert, findet der nahe Schwesterfluss Ölse seinen Weg über Spree, Havel und Elbe bis in die Nordsee. Zwei Flüsse, zwei Meere – getrennt durch eine Landschaft, die die Eiszeit formte.
17. Großer Treppelsee
weiter Lieblingsblick
Ein tiefer Atemzug. Am Nordende des Großen Treppelsees öffnet sich der Blick über eine der größten Wasserflächen im Schlaubetal. Der See zieht sich sanft nach Süden, die Oberfläche nimmt das Licht auf und lässt die Weite spürbar werden – ein Ort, der wirkt, ohne laut zu sein. Einer jener Lieblingsblicke, die man nicht vergisst, weil sie Raum lassen für Gedanken und Stille.
Der Große Treppelsee ist zugleich ein besonderer Ort für Naturbeobachtungen. Mit etwas Geduld lassen sich hier Fischadler, Schwarzmilane oder Drosselrohrsänger entdecken. Wer mag, kann den See auf einer Seeblick-Runde umrunden und an der Beobachtungshütte am Westufer verweilen – ein Platz zum Schauen und Lauschen.
Seit Generationen wird der See nachhaltig bewirtschaftet. Die Fischerei prägt den Treppelsee bis heute – behutsam, im Einklang mit der Natur. Zander, Hecht, Aal und Karpfen wachsen hier in freier Umgebung heran und finden ihren Weg frisch oder geräuchert in die Küchen der Region. Ein stiller Kreislauf aus Wasser, Zeit und Verantwortung.
18. Planfließ-Querung
Munteres Bachgeplauder
Ein neuer Ton mischt sich ins Flüstern der Schlaube. Wer hier innehält und genau hinhört, merkt schnell: Das ist nicht nur ein Bach. Am Planfließ trifft die Schlaube auf ihre kleine, klare Schwester. Sprudelnd, lebhaft und voller eigener Töne quasselt sie dazwischen – und gemeinsam setzen beide ihren Weg fort. Ein Bachflüsterort, der überrascht.
Das Planfließ windet sich in sanften Kurven durch die Landschaft und bringt frisches, klares Wasser mit. Der feuchte Boden rund um den Bach schafft besondere Lebensräume: Orchideen fühlen sich hier wohl, Schmetterlinge wie das schillernde Blauwidderchen flattern über die Wiesen. Und wer aufmerksam schaut, entdeckt vielleicht die Spuren eines stillen Baumeisters – angenagte Stämme und kleine Dämme verraten, dass auch der Biber hier zuhause ist.
Wer mehr Zeit mitbringt, kann dem Planfließ ein Stück folgen und diesen besonderen Nebenbach auf der „Kleinen Canyontour“ näher kennenlernen – langsam, nah am Wasser und ganz im Rhythmus der Landschaft.
19. Himmel & Hölle
Weitblick über dem Schlaubetal
Am Lieblingsblick Himmel & Hölle öffnet sich das Schlaubetal noch einmal in seiner ganzen Tiefe und Weite. Von der Bremsdorfer Mühle und der gleichnamigen A400-Haltestelle ist es nur ein kurzer Abstecher von wenigen Metern bis zu diesem Ausblick. Hier schweift der Blick über Wald und See auf die sanften Linien der Landschaft.
Schon im 18. Jahrhundert wusste man diesen Platz zu schätzen: Abt Gabriel Dubau vom Kloster Neuzelle ließ hier eine kleine Einsiedelei als Außenstelle errichten – einen Ort der Einkehr, der Jagd und der Naturbeobachtung. Die Abgeschiedenheit und der weite Blick machten ihn zu einem besonderen Rückzugsort hoch über dem Tal.
Um den Namen rankt sich eine Legende: Zwei Mönche sollen auf ihrer Wanderung an einen Ort gekommen sein, an dem sich ein tiefer Einschnitt – die „Hölle“ – und ein weiter, lichter Ausblick – der „Himmel“ – unmittelbar gegenüberlagen. So wurde dieser Platz zum Sinnbild der Gegensätze, die hier bis heute spürbar sind.
Wer hier verweilt, erlebt einen Perspektivwechsel: Tiefe und Weite, Stille und Bewegung. Ein letzter großer Blick dieser Episode – bevor sich der Weg wieder senkt und die Schlaube dich weiterführt.
Zur Episode I
Auf der Suche nach der Schlaube
Zur Episode III
Zwischen Dunkel und Licht – den wilden Schlaube-Canyon entdecken