© Seenland Oder-Spree / Constanze Mikeska

Schlaubetal-Wanderweg

Episode 3

Episode III

Zwischen Dunkel und Licht – den wilden Schlaube-Canyon entdecken

Schlaubetal Wanderweg zwischen Licht und Dunkel
© Constanze Mikeska

Von der Bremsdorfer Mühle zur Schlaubemühle
ca. 7,5 km | ca. 2,5 Stunden gemütliche Gehzeit

Ab jetzt wird es dramatisch. Die Schlaube führt sich langsam bergan, tiefer hinein in ihr engstes Tal und weiter zu ihrem mystischen Ursprung. Sie windet sich in engen Kurven durch den Canyon, folgt ihrem eigenen Lauf und zieht sich mit sich.

Unter mächtigen Buchen wird es dunkel, kühl und schattig. Dichtes Laub schließt sich über dem Weg, das Licht fällt nur noch gefiltert auf den Boden. Der Pfad wird schmaler, abenteuerlicher. Links und rechts spürst du die Höhenunterschiede, die steilen Hangwälder der höchsten Erhebungen im Schlaubetal rücken nah heran. Der Canyon wirkt wild, urtümlich – und überraschend intensiv.

Dann öffnet sich der Raum. Es wird heller, ruhiger, beinahe friedlich. Die Lichtung der Kieselwitzer Mühle empfängt dich – ein Ort des Übergangs. Hier wird bis heute mit dem Wasser der Schlaube Fischzucht betrieben, behutsam eingebettet in die Landschaft.

Schließlich wartet das Finale: Eine kleine Miniaturwelt aus Mühlen, Bach und Wasserläufen, in der die noch junge Schlaube Unterstützung bekommt. Noch einmal öffnet sich der Blick tief in den Schlaube-Canyon – ein eindrucksvoller Einschnitt, den der Bach in jahrtausendelanger Arbeit in die Lieberoser Hochfläche geformt hat.

An der ehemaligen Schlaubemühle, einst Zentrum einer Müller-Dynastie, erreicht der Schlaubetal-Wanderweg sein Ziel. Die Schlaube ist hier noch jung – und doch ist ihre Geschichte bereits spürbar.

20. Bremsdorfer Mühle

Zwischen Wasserkraft und Bühnenlicht

An der Bremsdorfer Mühle überlagern sich Zeiten und Erzählungen. Seit Jahrhunderten nutzt man hier die Kraft der Schlaube – und immer wieder hat sich der Ort neu erfunden. Einst von den Mönchen des Klosters Neuzelle gepachtet, arbeitete die Mühle als Getreidemühle und Tuchwalk. Später wurde sie Gasthaus und Treffpunkt für Menschen aus der Umgebung – ein Ort des Ankommens, Bleibens und Weiterziehens.

Im 19. Jahrhundert schrieb die Bremsdorfer Mühle eine ihrer schillerndsten Episoden: Der damalige Besitzer verlor sie bei einem Kartenspiel an Baronin Natalie von Einsiedel, die den Ort zu ihrem Sommersitz machte. Hoch zu Pferd, selbstbewusst und sichtbar – eine Persönlichkeit, die dem Ort Glanz verlieh.

Auch später blieb die Mühle Bühne: Ein Berliner Kinobesitzer brachte sie im 20. Jahrhundert noch einmal ins Rampenlicht, und 2010 diente sie sogar als Filmkulisse. Heute steht die Mühle still – gezeichnet von einem Brand, offen in ihrer Zukunft. Doch genau darin liegt ihre Kraft: Sie erzählt vom Wandel entlang der Schlaube.

21. Schlaubecanyon I 

Hier führt die Zeit Regie

Hereinspaziert. Vor dir öffnet sich das Schlaubetal wie eine Bühne: steile Hänge, dichtes Grün, darunter der schmale Lauf der Schlaube. Wer hier auf der Bank sitzt, merkt sehr schnell – diese Landschaft setzt sich selbst in Szene. Still und eindrucksvoll.

Was du siehst, begann vor rund 20.000 Jahren. Während der Eiszeit formten gewaltige Schmelzwasserströme tiefe Rinnen in die Landschaft der Lieberoser Hochfläche. Nachdem die Gletscher verschwunden waren, übernahm die Schlaube. Über Jahrtausende grub sie sich weiter in Sand und Lehm, schuf Höhenstufen, Kerbtäler und jenen Canyon, der hier besonders eindrucksvoll erlebbar ist.

Doch diese Szene bleibt lebendig. Das Wasser verändert seinen Lauf, Biberdämme entstehen, Ufer verschieben sich, Neues wächst nach. Alles ist in Bewegung – leise, langsam und stetig. Wer hier verweilt, erlebt nicht nur Landschaft, sondern das Zusammenspiel von Zeit, Wasser und Wald – mitten im Schlaubetal.

22. Sumpfgebiet Schlaube 

Verborgene Wege

Ein stiller Pausenplatz. Die Schlaube zieht hier leise durch ein grünes, sumpfiges Gelände und bleibt fast unsichtbar. Der Weg begleitet ihren Lauf durch sanfte Hügel und lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten – zu schauen, zu hören, zu entspannen.

Je nach Jahreszeit verändert sich die Stimmung dieser Landschaft. Im Frühjahr und Sommer leuchtet sie sattgrün, im Herbst wird sie zu einem Mosaik aus Gelb-, Rot- und Brauntönen. Feuchtflächen und Erlenbrüche prägen das Bild, während die Schlaube sich still hindurchschlängelt.

Was heute wild wirkt, war einst genutzt. Früher lagen hier Wiesen, doch mit dem Rückzug der Bewirtschaftung gewann das Wasser Raum zurück. Erlenwälder wuchsen heran, Feuchtgebiete entstanden neu. Spuren alter Wege erinnern noch an frühere Zeiten. Gegenüber entspringen kleine Quellbäche aus den 126m hohen Nitzanbergen, flankiert von den Jakobbergen – Höhen und Tiefen, die man hier spürt.

Du befindest dich mitten im Naturschutzgebiet Schlaubetal. Ein stiller Ort, der Ruhe verlangt – und sie zugleich schenkt.

23. Kieselwitzer Mühle 

Wo launige Forellen wohnen

Die Kieselwitzer Mühle lässt die Schlaube im Verborgenen die Hauptrolle übernehmen. Kühl, klar und stetig fließt das Wasser durch Teiche und Rinnen und bestimmt den Rhythmus dieses Ortes. Was unscheinbar wirkt, ist hier entscheidend: Ohne die Schlaube gäbe es keine Fischzucht, keine Teiche, kein Leben im Wasser.

Die Geschichte der Mühle reicht weit zurück. Bereits 1420 wird sie erstmals erwähnt. Über Jahrhunderte nutzte man hier Wasserkraft und Teichsysteme – zunächst als Energiespeicher, später auch für die Fischzucht. Mönche legten die ersten Teiche an, die bis heute Teil des Ensembles sind.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann ein neues Kapitel: Mit dem Ausbau moderner Wasserläufe, errichtet durch italienische Arbeiter, wurde die Zucht von Regenbogenforellen möglich. Über einen Umfluter gelangt das frische Schlaubewasser bis heute in die Teiche – sauerstoffreich und konstant kühl.

Heute bewirtschaftet die Familie Gürtler die Anlage in dritter Generation. Die Forellen aus der Kieselwitzer Mühle stehen für regionale Qualität und gelebte Tradition. Wer hier innehält, spürt: Auch im Stillen bewegt die Schlaube viel.

24. Miniaturmühle am Kesselfließ 

Kühle Füße, leises Klappern

Hier darfst du näherkommen. Ein Bachflüsterort mit vielen Tönen: Das Kesselfließ plätschert so klar und kühl, dass man unwillkürlich die Schuhe auszieht. Frisches Quellwasser läuft über Steine, murmelt leise – und lädt dazu ein, einen Moment zu bleiben. Hör genau hin: kein einzelner Ton, sondern ein vielstimmiges Flüstern.

Mit überraschender Kraft setzt das kleine Fließ eine Miniaturmühle in Bewegung. Das Wasserrad klackert, das Bächlein kichert – und macht sich auf den Weg talwärts, der Schlaube entgegen. Die liebevoll gestalteten Mühlenmodelle erzählen von Menschen, die diesen Ort verstanden haben.

Richte den Blick einmal hangaufwärts in das schmale Kerbtal. Hier entspringt das Kesselfließ, eingebettet in einen besonderen Wald: den einzigen Waldmeister-Buchenwald im Schlaubetal. Steile Hänge, kühler Schatten, würziger Duft – ein stiller Quellraum. Solche kleinen Zuflüsse sind es, die die Schlaube speisen und ihr ihren gleichmäßigen Rhythmus geben – unauffällig, aber unverzichtbar.

25. Schmetterlingswiese

Sitzen.Atmen.Hören.

Ein Ort zum Anhalten. Ein stiller Bachflüsterort am Wegesrand. Vielleicht nimmst du zuerst nur Stille wahr. Dann ein leises Plätschern aus der Ferne. Ein Vogelruf mischt sich darunter, unterbricht das Bachgeflüster, setzt einen neuen Ton. Lauschen wird zur Entdeckung.

Die Wiese, an der du rastest, hat ihren eigenen Charakter: oben trocken und warm, unten feucht und wechselhaft. Genau dieses Mosaik zieht Schmetterlinge an. Mit etwas Glück entdeckst du den Kaisermantel – leuchtend orangebraun, mit silbrig schimmernder Flügelunterseite. Er gilt als Zeichen für intakte Lebensräume. Über 700 Arten sind im Schlaubetal nachgewiesen – auch dank der Pflege durch Naturwacht und Förderverein.

Wer mag, geht noch einmal näher ans Ufer. Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich hier Spuren eines heimlichen Gestalters finden: angenagte Stämme, gefällte Äste, vielleicht sogar eine Biberburg. Seine Bauwerke stauen Wasser, verändern den Lauf kleiner Fließe und schaffen neue Lebensräume. Was wie Eingriff wirkt, ist Teil einer lebendigen Dynamik.

Nicht alles zeigt sich auf den ersten Blick. Oft verraten sich die Bewohner des Waldes zuerst durch ihre Stimmen. Lass die Geräusche kommen und gehen. Manchmal erzählt die Landschaft am meisten, wenn man nichts weiter tut, als zuzuhören.

26. Schlaube-Canyon II 

Wo der Blick in die Tiefe fällt

Hier sitzt du wie auf einem Rangplatz. Tief unter dir windet sich die Schlaube durch ihr eigenes Werk – mehr als 30 Meter tiefer, klein im Anschein und doch voller Kraft. Von oben betrachtet öffnet sich der Schlaube-Canyon wie eine Naturbühne.

Über unzählige Jahre hat das Wasser diesen Raum geformt: nicht nur mit Kraft, auch mit Geduld. Schritt für Schritt hat sich die Schlaube in die Hochfläche geschnitten, Hänge freigelegt, Kurven gezogen und Tiefe geschaffen. Was heute an einen Canyon erinnert, ist das Ergebnis eines langen Spiels zwischen Wasser und Zeit – leise, stetig, unwiderstehlich.

Die Natur ordnet diesen Raum: Oben klammern sich Rotbuchen an die Hänge, unten begleiten Schwarzerlen den Lauf des Wassers. Dazwischen wechseln Waldtypen, Licht und Schatten – ein lebendiges Bühnenbild, das sich mit jedem Schritt und jedem Blick verändert.

27. Schlaubemühle

Vom Ankommen

Hier endet der Schlaubetal-Wanderweg. Oder beginnt – je nachdem, aus welcher Richtung du gekommen bist. Die Schlaubemühle markiert diesen Übergang ganz unspektakulär, fast beiläufig. Und gerade deshalb passt sie so gut an diesen Ort.

Seit über 600 Jahren nutzt man hier die Kraft der Schlaube. Schon 1420 ist die Mühle belegt, über Generationen wurde hier gemahlen, gewirtschaftet, gelebt. Besonders lange prägte die Müllerfamilie Lindner diesen Ort. Später änderte sich die Nutzung – vom Mahlbetrieb zum Gasthaus, heute ist die Schlaubemühle ein Ort der Information und des Naturschutzes. Die Schlaube blieb dabei immer der leise Motor im Hintergrund.

An dieser Stelle fällt der Vorhang und der Applaus gehört dir. Lass das Erlebte ausklingen und dreh noch eine Runde um den nahen Wirchensee – dort liegen die verborgenen Anfänge der Schlaube. Ein guter Ort, um die Episode ausklingen zu lassen – und den Weg noch einmal nachzuspüren.

Epilog

Dein Nachklang im Schlaubetal.

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Du hast das Ende deiner Wanderreise erreicht – und zugleich ihren Anfang berührt.

Die Wirchen-Wiesen und der stille Wirchensee verbergen die Quelle der Schlaube, dort, wo alles beginnt.

Noch einmal fließt die Landschaft an Dir vorbei: Wälder, Wasser, Wind.

Die Wirchenseerunde schenkt dir ein wunderbares Finale – hier kannst du die Vogelwelt beobachten, vom Försterblick über das Wasser schauen und dich später auf der Terrasse des Wirchensee-Restaurants zurücklehnen. Lass deine Reise noch einmal nachklingen.

Was bleibt, ist das Rauschen des Bachs – wie ein leises Echo der Wege, die du gegangen bist.

Nimm es mit, dieses Flüstern der Schlaube – und mach den Bach zu Deinem Ding.

28. Schlaubebrücke an den Wirchenwiesen 

Wo alles leise beginnt

Hier schließt sich der Kreis. Deine Wanderung mit der Schlaube findet ihr Ende – und zugleich ihren Ursprung. Ganz in der Nähe, verborgen in den Wirchenwiesen, beginnt der Weg des kleinen Flusses. Nicht als einzelne Quelle, nicht sichtbar oder greifbar, sondern als Zusammenspiel aus Wasser, Boden und Landschaft.

Die Wirchenwiesen sind ein sensibles Feuchtgebiet. Aus vielen kleinen, teils unterirdischen Zuflüssen sammelt sich hier das Wasser, gespeist aus den umliegenden Höhen der Fuchs- und Streitberge. Lautlos tritt es zusammen, formt einen ersten Bachlauf und fließt weiter in den Wirchensee – der Anfang einer Reise durch das Schlaubetal.

Die Schlaube lässt sich hier nicht finden. Sie zeigt sich nicht. Sie entsteht. Unspektakulär, still und ganz aus dem Umfeld heraus. Genau darin liegt ihre Magie: Aus feuchten Wiesen, sanften Hängen und verborgenen Wassern wächst ein Fluss, der sich aufmacht, Landschaften zu prägen und Geschichten zu tragen.

Wer hier verweilt, spürt den Moment des Anfangs. Kein Ziel, kein Höhepunkt – sondern ein leiser Übergang. Und vielleicht das schönste Ende dieser Wanderung.

29. Försterblick

Weite sehen, Stille hören

Manchmal braucht es nur ein paar Höhenmeter, um die Perspektive zu wechseln. Der Försterblick entstand 1997 aus der Idee des Revierförsters Dieter Malig: ein Ort, von dem aus sich der Wirchensee in seiner ganzen Ruhe und Weite zeigt. Für Wandernde auf dem Uferrundweg sollte hier ein Blick entstehen, der nicht erklärt – sondern wirken lässt.

Unter dir breitet sich der Wirchensee aus, der erste einer Kette von Seen, die am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind. Vor rund 10.000 Jahren formten Schmelzwässer diese Landschaft, heute durchfließt sie das noch junge Bächlein der Schlaube. Der See zählt zu den tiefsten im Schlaubetal – still, klar und von bewaldeten Ufern eingefasst.

Der Försterblick liegt auf etwa 101 Metern Höhe und öffnet den Blick über den südlichen Teil des Sees bis zur Halbinsel Großer Horst. Wenige Schritte weiter oben wartet ein zweiter Aussichtspunkt, im Volksmund „Oberförsterblick“ genannt – ein weiterer Lieblingsblick im Seenland Oder-Spree. Doch schon hier reicht es, stehen zu bleiben.

Denn dieser Ort lebt von den leisen Momenten: vom Flug eines Seeadlers, vom Sturz des Fischadlers ins Wasser, vom Trompeten der Kraniche im Frühjahr oder dem Röhren der Hirsche im Herbst. Wer Glück hat, beobachtet das Balzspiel der Haubentaucher. Wer nichts sucht, findet Ruhe. Genau das macht den Försterblick aus.

Zur Episode I

Auf der Suche nach der Schlaube

Zur Episode II

Wenn der Bach zur Seenkette wird