© Constanze Mikeska

Schlaubetal-Wanderweg

Episode 1

Episode I

 Auf der Suche nach der Schlaube

Segelboot Muellroser See Sommer Schlaubetal Müllrose
© Constanze Mikeska

Vom Müllroser See durchs untere Schlaubetal zum Kupferhammer
ca. 8 km | 2,5–3 Stunden gemütliche Gehzeit

Am Ufer des Großen Müllroser Sees beginnt deine Suche – dort, wo sich Himmel und Wasser begegnen. Der See liegt weit und ruhig vor dir. Segelboote ziehen ihre Kreise, Stimmen treiben über das Wasser, und am Strand liegt der Duft von Ferientagen in der Luft.

Zwischen Wiesen und Sümpfen, wo das seltene Braunmoosmoor seine Geheimnisse bewahrt, hält die Landschaft inne. Libellen begleiten dich, während sich der Weg langsam vom See löst und tiefer in das untere Schlaubetal führt. Noch verbirgt sich der Bach – Geduld gehört hier dazu.

Dann zeigt er sich endlich. An der Ragower Mühle erwacht die Schlaube zum Leben: Sie flüstert, sprudelt, erzählt. Wasser treibt Räder, bewegt Geschichte. Hier übernimmt der Bach klar die Hauptrolle – heute wie in vergangenen Zeiten. Auch am lost place der Mittelmühle ist sie noch spürbar, leise und beharrlich.

Ruhig mäandert die Schlaube weiter durch die Wiesen, sammelt Kraft, gewinnt an Tempo. Kurz vor dem Kupferhammer plappert sie wie ein kleiner Gebirgsbach, verschluckt sich fast vor Freude – so lebendig, dass sie dich verweilen lässt. Hier wird spürbar: Die Reise der Schlaube hat gerade erst begonnen.

3 Freibad Müllrose 

Sommerfrische am See

Ein Sommertag am Großen Müllroser See. Das Wasser glitzert, Stimmen tragen weit über den Strand, Segelboote ziehen gemächlich ihre Bahnen. Schon in den 1920er-Jahren fand man hier in Müllrose Erholung und Leichtigkeit, fernab vom Alltag. Der See, in dem sich die Schlaube weitet und sammelt, wurde zum Treffpunkt für Badegäste, Ausflügler und Berliner Sommerfrischler.

Das Freibad entwickelte sich zum Sinnbild dieser Zeit: Sonne auf der Haut, Lachen im Wasser, Musik vom Pavillon. Die Fotografin Ursula Raschke hielt diese Momente fest – Bilder einer Epoche, in der Freizeit, Natur und ein neues Lebensgefühl zusammenfanden. Noch heute liegt etwas von diesem Geist über dem See, wenn das Wasser ruhig schimmert und der Sommer den Takt vorgibt.

4 Rastplatz Ostufer Müllroser See 

Magie des Blicks

Hier lohnt es sich, kurz innezuhalten. Der Blick öffnet sich über den Großen Müllroser See, das Wasser liegt ruhig, das Schilf raschelt leise am Ufer. Licht und Himmel spiegeln sich auf der Oberfläche – ein erster magischer Ort am Weg, der zum Verweilen einlädt.

In den 1930er-Jahren ließ Bürgermeister Bruno Lange einen Wanderweg entlang beider Seeufer anlegen und zwei geschützte Rastplätze errichten – einen am Ost-, einen am Westufer. Die runden, damals mit Schilf gedeckten Bauten mit Bänken und einem Tisch in der Mitte wurden schnell zu beliebten Treffpunkten für Wanderer und Badegäste. Im Volksmund nannte man sie bald „Brunos Ruh“ – Orte der Pause, der Aussicht, des Zusammenseins.

Bis heute ist dieser Platz ein Moment des Durchatmens. Der Große Müllroser See, gespeist von der Schlaube, liegt still vor dir. Wasservögel ziehen ihre Bahnen, im Schilf verbirgt sich Leben. Wer hier verweilt, spürt: Manche Orte wurden genau dafür geschaffen – um einfach zu schauen, zu sitzen und die Landschaft wirken zu lassen.

5 Aussichtspunkt Seeschlösschen

Weite über dem Müllroser See

Ein Ort für den weiten Blick. Von hier aus öffnet sich der Große Müllroser See in seiner ganzen Länge, das Wasser zieht sich bis zum Horizont, Licht und Himmel verschmelzen. Schon früher war dieser Aussichtspunkt ein Ziel für alle, die das Besondere suchten.

Der Weg führte damals zum Seeschlösschen, einer beliebten Einkehr mit Pavillon und Seeblick. Mutter Heinrichs frisch gebackener Blechkuchen und belegte Brote machten den Aufenthalt komplett. Für ein kleines Abenteuer sorgte die Glocke am Westufer: Wer sie läutete, wurde mit einem großen Paddelboot abgeholt und über den See gebracht – eine Überfahrt, die vielen Gästen unvergessen blieb.

Gegenüber liegt die Fischerwerdel, die sagenumwobene Liebesinsel des Sees. Einer Legende nach entstand sie, als ein Riese vom sumpfigen Westufer des Sees hinüberlief, um am Ostufer weißen Sand zu holen. Doch auf dem Rückweg stolperte er, und der Sack mit dem Sand landete im Wasser – so, heißt es, formte sich die kleine Insel. Noch heute schweift der Blick von hier über den See, weit nach Norden, bis zur Oderlandmühle. Ein Platz zum Schauen, Lauschen – und zum Weiterträumen.

6 Orchideenwiese

Verborgene Vielfalt

Noch hält sich die Schlaube zurück. Sie fließt verborgen durch Wiesen und Senken – und schafft dabei etwas Besonderes. Als schmales Band entlang ihres Laufs haben sich hier im Naturschutzgebiet „Unteres Schlaubetal“ Niedermoore entwickelt, Feuchtgebiete von großer Bedeutung und erstaunlicher Vielfalt.

Wo Wasser langsam steht und der Boden atmet, entstehen Orte für das Seltene. Auf diesen feuchten Wiesen wächst eine Pflanzenwelt, die Zeit, Ruhe und das richtige Maß braucht. Orchideen finden hier genau diese Bedingungen – und machen das Schlaubetal zu einer der orchideenreichsten Landschaften Deutschlands. Arten wie der Frauenschuh oder die Korallenwurz blühen dort, wo Natur und behutsame Pflege im Gleichgewicht sind.

Wer hier innehält, blickt auf eine Landschaft, die leise wirkt – und doch voller Leben ist. Wer tiefer eintauchen möchte, kann bei Führungen mit den Rangern mehr über die verborgenen Zusammenhänge dieses besonderen Naturraums erfahren.

7 Belenzsee

stilles Sammeln

Glasklares Wasser, das Ruhe ausstrahlt. Der Belenzsee liegt still im Tal, sammelt Licht und Wasser aus den umliegenden Höhen und gibt es an die Schlaube weiter. Was hier so klar und unbewegt erscheint, ist Teil eines größeren Zusammenhangs: Aus dem See setzt die Schlaube ihren Weg fort und formt das Tal, durch das du weiter wanderst.

Der Belenzsee ruht in einem besonders sensiblen Naturraum des Schlaubetals. Feuchte Wiesen, Moorböden und bachbegleitende Wälder greifen hier ineinander und schaffen Lebensräume von hoher ökologischer Bedeutung. Ein Großteil dieser Landschaft steht heute unter Schutz – als Naturschutzgebiet Unteres Schlaubetal.

Noch einmal öffnet sich der Blick über den See, bevor sich der Weg verengt und die Schlaube bald hörbar wird. Wer hier steht, spürt: Dieses Tal lebt vom Zusammenspiel aus Stille, Zeit und Wasser.

8 Ragower Mühle

Wo der Bach erzählt

Es ist nicht zu überhören: Hier empfängt dich die Schlaube in ihrer ganzen Lebendigkeit. Am ersten Bachflüsterort rauscht und gurgelt sie – als wolle sie zeigen, dass sie hier die Hauptrolle spielt. Wer innehält, hört, wie das Wasser Geschichten erzählt: von Rädern, die sich drehten, von Arbeit, Wandel und Zeit.

Die Ragower Mühle, einst Mahl- und Sägewerk, ist heute ein liebevoll bewahrtes technisches Denkmal – einzigartig im Schlaubetal mit originaler Mühlentechnik. Das Rauschen des Bachs mischt sich mit dem Singen der Zahnräder und dem Duft von Holz. Und wer mit offenen Ohren lauscht, erfährt von Baldur Börner, dem Mühlenbesitzer, was die Schlaube bis heute bewegt.

9 Lost Place Mittelmühle 

Spuren im Verborgenen

Etwas abseits des Weges liegt der Standort der ehemaligen Mittelmühle – verborgen, ruhig und heute nur noch zu erahnen. Die Gebäude sind verschwunden, geblieben ist ein Ort, an dem man die Geschichte zwischen Bäumen, Wegen und Lichtungen spürt. Wer ihn aufspürt, findet Idylle und Stille – und begegnet der Schlaube erneut.

Über Jahrhunderte diente die Mittelmühle als Mahlmühle, später wurde sie zu DDR-Zeiten als Ferienheim genutzt. Besonders verbunden ist der Ort mit den Müllerfamilien Zeidler und Schur. Müller Zeidler, eigentlich musisch begabt und Organist, hätte lieber unterrichtet als gemahlen – doch Tradition und Herkunft bestimmten seinen Weg. Die Liebe zur Musik begleitete ihn ein Leben lang.

Die Mittelmühle steht für den Wandel – und für das, was bleibt. Für Lebenswege, Entscheidungen und Erinnerungen, die sich mit dem Lauf der Schlaube verbunden haben. Ein Ort, der zum Innehalten einlädt, bevor der Weg weiterführt.

10 Rastplatz Mäanderblick 

Der Bach in Bewegung

Tief unten zeigt sich hier die Schlaube von ihrer verspielten Seite. Sie schlängelt sich durch Schilfröhrichte und ehemalige Feuchtwiesen, zieht sanfte Bögen, bildet kleine Sandflächen und verschwindet immer wieder hinter Gehölzen aus Erlen, Birken und Flatter-Ulmen. Der Bachlauf wirkt lebendig, kühl und schattig – ein Ort zum Durchatmen und Beobachten.

Der gewundene Verlauf hat einen Namen: Mäander. Der Begriff stammt aus der Antike und geht auf den Fluss Maiandros zurück, der für seine vielen Schleifen bekannt war. Auch hier folgt die Schlaube ihrem natürlichen Rhythmus – mit kleinen Prallhängen, Stillwasserbereichen und wechselnden Strömungen.

Totholz, flache Uferzonen und ruhige Wasserpools machen diesen Abschnitt zu einem besonders artenreichen Lebensraum. Wer am Rastplatz innehält, erkennt: So bewegt sich ein Bach, wenn man ihm Raum lässt. Ein stiller, ursprünglicher Moment im Schlaubetal.

11 Kupferhammer

Wasser treibt Geschichte an

Am Kupferhammer zeigt die Schlaube ihre ganze Kraft – ein Bachflüsterort voller Energie. Sie rauscht, springt, wirbelt – und erzählt von einem Ort, an dem Wasser über Jahrhunderte Arbeit und Wandel bestimmte. Bereits im 16. Jahrhundert nutzte man hier die Wasserkraft für Kupfer- und Eisenverarbeitung, später auch für Mühle und Tuchmacherei. Die Schlaube war Motor eines kleinen Industrieortes – geregelt, gestaut, gezähmt.

Im Laufe der Zeit veränderte sich der Kupferhammer. Aus dem Hammerwerk wurde eine Schankwirtschaft, später lieferte eine Kleinwasserkraftanlage noch Strom für umliegende Dörfer. Spuren dieser Vergangenheit lassen sich bis heute entdecken – und lebendig erzählen, etwa in den Erinnerungen der Schernsdorferin Gudrun Hänschen, die bei archäologischen Grabungen half, Geschichte freizulegen.

Heute bewegt die Schlaube hier nicht nur Erinnerungen, sondern auch Leben: Eine Sohlgleite macht den Bach wieder durchlässig für wandernde Fische. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander – und der Weg führt weiter. Folge der Schlaube, wenn sie sich weitet, kleine Seen durchfließt und dich in Episode II tiefer hinein ins Schlaubetal begleitet.

Zur Episode II

Wenn der Bach 
zur Seenkette wird
 

Zur Episode III

Zwischen Dunkel und Licht – den wilden Schlaube-Canyon entdecken 
 

Bist du bereit für deine Wanderreise?

Verwunschene Landschaften haben sich für dich in Szene gesetzt

Das Schlaubetal ist eine Bühne, auf der dich Natur und Geschichte Schritt für Schritt begleiten. Der Weg ist für dich vorbereitet.
Unterwegs folgst du einfach der Markierung mit dem blauen „S“ auf weißem Grund. Sie führt dich zuverlässig durch Wälder, entlang der Seen und zu den 29 Schau- und Erlebnisorten – darunter fünf besondere Bachflüsterorte, an denen die Schlaube selbst zur Erzählerin wird.

Unser Tipp: Teile dir die rund 25 Kilometer entspannt in drei Episoden ein – oder mach aus der Tour einen kleinen Natururlaub. Nimm dir Zeit für Pausen, stille Ausblicke und eine gemütliche Einkehr am Wegesrand.

Wir haben die Route so aufbereitet, dass du dich ganz auf das Gehen konzentrieren kannst: folgen, schauen, hören.

An- und Abreise
Mit Bus und Bahn
RE1 nach Jacobsdorf, dann weiter mit der Ausflugslinie A400 vom 1. April bis 31. Oktober – ideal für Wanderetappen.

Ganzjährig: PlusBus-Linien im Landkreis Oder-Spree mit Anschluss an den RE1. PlusBus 400 (Beeskow–Eisenhüttenstadt) hält unter anderem an der Bremsdorfer Mühle – einem beliebten Einstieg in den Wanderweg.

Mit dem PKW
Parkmöglichkeiten findest du in Müllrose sowie an ausgewiesenen Wanderparkplätzen im Schlaubetal, etwa am Kupferhammer, in Siehdichum, an der Bremsdorfer Mühle, am Großen Treppelsee oder am Wirchensee.

 

Wegweiser im Schlaubetal Schlaubetal-Wanderweg blaues S
© Seenland Oder-Spree / Florian Läufer